- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Auf dem Campingplatz in Bamberg (Bayern)

Vorbereitungstour von Osterburken bis nach Magdeburg (Bayern):

Im April 2018 habe ich mich auf die erste Vorbereitungstour für meine Europareise begeben. Zum ersten Mal war ich alleine und mit Zelt unterwegs. 7 ganze und 2 halbe Tage habe ich eingeplant um von Osterburken bis nach Magdeburg zu fahren. Am Ende habe ich sogar einen ganzen Tag weniger für die insgesamt 720km benötigt.

Gestartet in Osterburken ging es einfach drauf los und weitestgehend nach Gefühl über Lauda-Königshofen und anschließend bis nach Würzburg. Diese Strecke war sehr Naturbelassen und hat mir gut gefallen. Allerdings musste man hier permanent strampeln, weil praktisch ein Berg nach dem anderen gekommen ist. Ab Würzburg bin ich dann aber dafür den sehr ebenen Mainradweg über Schweinfurt und das wirklich sehr schöne Bamberg gefahren. Ich war generell sehr begeistert davon, wie gut der Mainradweg auf der kompletten Strecke bis nach Bayreuth ausgebaut und ausgeschildert war. Ich habe mich nur ein einziges Mal etwas verfahren und das auch nur nachdem ich geplant einmal die Strecke zum Döner essen verlassen habe. Ansonsten ging es über 200km problemlos voran und auch landschaftlich war es schön und abwechslungsreich in diesen 2 Tagen. Die ersten beiden Nächte am Mainradweg habe ich auf Campingplätzen verbracht.

Der Mainradweg endete in Bayreuth und dort nutzte ich erst einmal die Gelegenheit um meinen Kumpel Max zu besuchen und in seinem Studentenwohnheim zu nächtigen. Am darauf folgenden Tag hatte ich einiges vor: Bayreuth – Schleiz war geplant. Von der Streckenlänge war es auf jedenfall machbar für mich, jedoch wurde diese Etappe zu einer einzigen Höllenetappe aufgrund der extremen Steigungen. Und ich war darauf angewiesen am Abend in Schleiz an zu kommen, weil mein neuer Schlafsack noch nicht da war und es rund 1°C in der Nacht werden sollte. Mit dem Schlafsack, den ich mir vor Tourstart von meiner damaligen Chefin geliehen habe, war ich aber alles andere als ausgerüstet für solche Temperaturen. Und somit war die einzige Unterkunft weit und breit in dieser Richtung in Schleiz. Es ging also wirklich den kompletten Tag bergauf und bergab. Zur Mittagszeit hatte ich vielleicht einmal 30 Minuten Steigungspause. Das war bei der Stadt Hof. Ab Hof hatte ich mit deutlich weniger Steigung als davor gerechnet, doch dem war nicht so. Ganz im Gegenteil! Teilweise war es am Saaleradweg ab Hof mit den Steigungen noch extremer als auf der Strecke zwischen Bayreuth und Hof, wo es keinen Flussradweg gegeben hat.

Im Stockdunkeln in Schleiz angekommen hatte ich sicherlich die anstrengendste Etappe meines Lebens hinter mir. Zum Trost bekam ich eine große und wunderschöne Ferienwohnung ganz für mich alleine, welche mit restlichem airbnb-Guthaben auch finanziell verkraftbar war.

Am nächsten Morgen war ich aber schon wieder Topfit und voller Tatendrang für den nächsten Tag auf dem Rad. Ich war jetzt absolut im Flow und fühlte mich wohl. Und so raste ich gleich ab dem ersten Meter des Tages eine gute viertel Stunde den Berg hinunter durch die Kleinstadt Schleiz, um dort dann festzustellen, dass es jetzt gleich wieder steil nach oben gehen wird. Trotzdessen, dass ich mich dazu entschieden habe nicht weiter den miserabel ausgebauten und teilweise auch miserabel ausgeschilderten Saaleradweg weiter zu befahren, war ich auch zu Beginn dieses Tages nur damit beschäftigt Steigungen zu fahren. Zur Mittagszeit legten sich jedoch die Steigungen und ich stieß einige Kilometer vor Jena wieder auf den Saaleradweg. Dort war er plötzlich super ausgebaut und permanent gut ausgeschildert. Nach einigen weiteren Kilometern passierte ich Jena, wo ich eine Pause einlegte und mich für 1-2 Stunden mit meinem Kumpel Franz verabredete. Zu den frühen Abendstunden fuhr ich dann wieder aus der Stadt raus und erneut im Stockdunkeln kam ich gerade noch rechtzeitig auf dem Campingplatz in Bad Kösen an. Die rund 35km zwischen Jena und Bad Kösen waren für mich die landschaftlich schönsten auf der kompletten Tour. Am nächsten Tag weitete sich das Tal um die Saale schlagartig. Es war Wochenende und sehr schönes Wetter und zahlreiche andere Radfahrer tummelten sich auf dem Saaleradweg. Nach den doch ziemlich einsamen letzten 1,5 Tagen auf dem Saaleradweg kam es mir nicht mehr wie der ein und der Selbe Flussradweg vor. Ich überholte etwa alle 50-100 Meter Ehepaare oder Familien. Dies ging dann in etwa bis zum Nachmittag so weiter. Danach wurde der Radweg zunehmend freier und in den Abendstunden war ich wieder einmal ganz alleine unterwegs. Ich habe das Gefühl, dass ich völlig aus der Reihe falle mit meinem Rhythmus. Morgens lasse ich mir viel Zeit mit frühstücken und zusammenbauen und gehe dann so gegen 11Uhr erst auf die Strecke. Dann fahre ich bis es Stockdunkel wird und schaffe es gerade noch rechtzeitig auf dem Campingplatz anzukommen, bevor dieser die Rezeption schließt. Das war bis dahin jedes Mal so 😀

Die Strecke zwischen Bad Kösen und Kloschwitz, wo ich wieder mein Zelt auf einem Campingplatz aufstellte, überzeugte vorallem durch seine Städte. Zu nennen sind da sicherlich Naumburg und auch Weißenfels. Landschaftlich war es okay. Schön war auch, dass die Saale inzwischen kein Flüsschen, wie noch in Hof, mehr war und inzwischen auch wirklich in der Landschaft auffiel. Überhaupt nicht überzeugen konnte mich die Strecke in der Gegend Halle (Saale). Nach Halle (Saale) bin ich erst gar nicht rein gefahren. Die Stadtausläufe waren Potthässlich. Im winzigen und abgelegenen Kloschwitz angekommen, wurde man sofort von einem klischeehaften, winzigen Schlagerfest begrüßt. Es schien so, als könne man dort das komplette Dorf völlig dicht antreffen. Immerhin schienen der Campingplatz und das Fest alleine schon größer zu sein als das komplette Dorf. Ich lag schon in meinem Zelt und wollte einschlafen, doch Gesänge a la Hulapalu machten mir da einen Strich durch die Rechnung. Also lief ich rüber und wurde am Eingang des Bierzeltes sofort von einem alten Herren lallend begrüßt, der in diesem Moment direkt vor den einzigen Eingang gepinkelt hat. Ich drehte direkt wieder um und dachte mir nur: “Ne, in der Stimmung bin ich jetzt nicht”. Wenig später konnte ich dann endlich einschlafen.

Am nächsten Tag war es extrem heiß und ich fuhr auch immerhin wieder knapp über 80km. Von Kloschwitz ging es die Saale entlang, bis diese in der Stadt Barby in die Elbe floss. Von dort aus ging es den Elberadweg entlang bis nach Schönebeck, wo ich auf dem Campingplatz Magdeburg zum letzten Mal mein Zelt aufschlagen durfte. Die Landschaft hat mir auf der ersten Etappenhälfte sehr gut gefallen und insbesondere die Stadt Bernburg war schön anzusehen. Die wenigen letzten Kilometer an der Elbe entlang waren sehr monoton.

Am letzten Tag meiner Tour waren nur noch rund 30km zu fahren. Weiter ging es an der Elbe entlang, bis ich schließlich dann Mitten in Magdeburg angekommen bin. Dort schaute ich mir die Innenstadt an, welche mich doch eher enttäuscht hat. Kurz darauf nahm ich den Flixbus und fuhr wieder in Richtung Heimat.

Diese Vorbereitungstour war auf jedenfall sehr nützlich und hat mir wirklich Spaß gemacht. Die ersten beiden Tage wurden teilweise von einem mulmigen Gefühl begleitet, weil ich erstmals alleine auf Radtour gegangen bin. Ich war es einfach nicht gewohnt und in mir hatte sich ein unwohles Gefühl breit gemacht, welches mit einer Stimme verbunden war, die mich andauernd gefragt hat: “Was machst du hier eigentlich…so ganz alleine? Warum machst du das überhaupt?” Doch mit der ersten Unterhaltung mit einem schon etwas älteren, sehr freundlichen Ehepaar auf dem Campingplatz in Bamberg, war diese Stimmung ganz plötzlich verschwunden und kam auch in den nächsten 5 Tagen für keinen einzigen Moment wieder auf. Es war wie, als hätte ich einfach einen Schalter umgelegt. Das schlechteste an der gesamten Tour waren sicherlich die Knieschmerzen, welche mich am drittletzten Tag erreicht haben. Zu diesem Zeitpunkt waren sie ja noch sehr erträglich. Zu Beginn des vorletzten Tages ging dies auch noch, doch dann wurde der Schmerz immer unerträglicher. Auch das hatte ich noch nie bei einer Tour zuvor gehabt. Am letzten Tag waren die Schmerzen dann höllisch und es hat nach der Tour noch Wochen gedauert, bis die Schmerzen wieder vollständig vorüber waren. Wenn mir das bei der Europareise passieren sollte, dann wäre das wirklich sehr bitter. Mit entsprechenden Übungen, den richtigen Einstellungen am Sattel, sowie der richtigen Haltung und Trittfrequenz möchte ich dem in Zukunft nun aber vorbeugen 😉

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen