- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Von Rotenburg nach Rinteln

Von Rotenburg nach Rinteln

In den vergangenen drei Tagen habe ich insgesamt 270km zurückgelegt und bin von Rotenburg an der Fulda bis nach Rinteln (Weser) gefahren. In diesen 3 Tagen habe ich wieder einiges erleben können:

Am Mittwoch morgen auf dem sehr leeren und schönen Campingplatz in Rotenburg aufgewacht habe ich mir erst einmal mein obligatorisches Müsli aus Haferflocken, Nüssen, Trockenfrüchten und Schokolade gemacht. Dies möchte ich auch weiterhin immer frühstücken, weil es mir enorm viel Kraft für den Tag spendet. Das Müsli mache ich mir entweder mit Wasser, oder ich rühre mir noch etwas Vollmilchpulver hinzu.

Anschließend hatte ich noch einmal ein recht ausgiebiges Gespräch mit meinem Zeltnachbar Daniel, indem er mir einen sehr wichtigen Tipp für meinen Gaskocher geben konnte. Danach verabschiedeten wir uns voneinander und setzten unsere Tour in entgegengesetzte Richtungen auf dem gut ausgebauten Fuldaradweg fort.

Nur wenige Kilometer an diesem Tag gefahren, hatte ich alle Gründe gut gelaunt zu sein: Zum ersten Mal war es windstill! Ich folgte dem Radweg weiter und stieß wenige Kilometer vor Melsungen auf das 2. Highlight: Eine Schwebebahn über den Fluss! Der Radweg endete hier und gemeinsam mit 2 Jungs kurbelte ich die schwere Gondel mühselig auf unsere Seite. Dann beluden wir diese mit uns und unseren Rädern und kurbelten die Gondel wieder zurück ans gegenüberliegende Ufer.

Etwas später erreichte ich dann die schöne Kleinstadt Melsungen und wurde dort in der Fußgängerzone von Johannes angequatscht. Johannes ist ein älterer Herr und machte eine Tour mit seinem E-Bike. Er fragte mich, was ich mit diesem vielen Gepäck denn noch alles vor habe, woraufhin ich ihm von meinen Plänen erzählte. Ein paar Minuten später lud er mich dann zu sich nach Beverungen (Weser) ein, weil dieses direkt auf meiner Route liegen würde. Ich antwortete ihm, dass ich kommen werde, wenn es von den Kilometern her Sinn macht.

Von Melsungen aus ging es aber erst einmal weiter in Richtung Kassel. Auf diesem Abschnitt wurde es immer voller auf dem Radweg und meine Lust mithilfe Handy, Actioncam, Gorillapod und Stativ gute Aufnahmen zu machen verschwand nach ein paar Versuchen recht schnell, weil der viele Verkehr auf dem Radweg mich dazu einfach enorm störte und umgekehrt störte ich auch andere Leute damit.

In Kassel angekommen, entschied ich mich dazu es bei 70km zu belassen und lieber schon sehr früh auf dem Campingplatz zu sein. Ein bisschen bereute ich diese Entscheidung allerdings: 12€ in der Nebensaison ist schon viel! Sonderlich war der Platz auch nicht, aber dafür hatte ich es nicht weit zum Supermarkt und ich konnte wieder ein paar nette Bekanntschaften machen. Einer davon war Konstantin. Konstantin ist aus Berlin und ist nach Kassel wegen eines Buddhistischen Camps gefahren. Dort angekommen, wollte ihn die Gruppe aber nicht aufnehmen, weil er zu frei in seinem Glauben sei. Nun lies er sich auf dem Campingplatz vorerst nieder und meditierte dort.

Konstantin erzählte mir einiges über den Buddhismus, gab mir einen buddhistischen Geheimtipp für Kopenhagen und erzählte vorallem einiges über Kassel: Drogenszene, Kriminalität, Sehenswürdigkeiten, historische Hintergründe usw.. Mein Bild von Kassel war danach schlecht und die Fülle seiner Informationen reichten mir dann auch völlig aus, um am Donnerstag keinen Abstecher in die Innenstadt mehr machen zu wollen. Stattdessen folgte ich dem Fuldaradweg auf seinen letzten 30 Kilometern bis Hann. Münden und hatte so einen extremen Gegenwind wie noch nie in meinem ganzen Leben.

Hann. Münden und der Beginn des Weserradwegs waren dann die Erlösung für mich. Denn nun ging es nicht mehr nach Osten, sondern nach Norden und der Gegenwind war damit weg. Was auf dem Weserradweg auch mit einem Schlag anders war: Es gab keine anderen Radfahrer mehr!

Ich folgte also dem Weserradweg über eine immer schöner werdende Region und recht bald gab es Berge, viele kleine Dörfchen, Windräder und vorallem Wiesen soweit das Auge reicht.

In der Stadt Bad Karlshafen kam ich zum frühen Abend an und so entschied ich mich dazu das Angebot von Johannes anzunehmen und nur noch 10 weitere Kilometer bis Beverungen zu radeln. Am Mehrfamilienhaus in der Kleinstadt angekommen, wurde ich von Johannes empfangen und lernte anschließend auch seine Frau Silvia, Sohn Ulli und den kleinen Oskar (seinen Enkel) kennen. Ich bekam das Gästezimmer, wurde bekocht und konnte eine heiße Duschen nehmen. Anschließend haben wir uns auf die Terasse gesetzt und uns viel über Nachhaltigkeit, Fahrradreisen und andere persönliche Themen unterhalten. Am nächsten Morgen gab es noch ein gutes Frühstück und dann habe ich mich dankend von Johannes und Silvia verabschiedet und wurde von Ulli und Oskar noch auf den ersten Kilometern der heutigen Etappe begleitet.

Aufgrund des Feiertags war der Weserradweg bis zum Nachmittag sehr überfüllt. Mit dazu gab es, wie auch schon die Tage zuvor, einen strahlend blauen Himmel bei angenehmen Temperaturen. So machte es neben der tollen, grünen Landschaft und den schönen Städten (wie z.B. Bodenwerder und Hameln) jede Menge Spaß, wenn auch der Gegenwind wieder ganz schön nerven konnte. Auf dem Weserradweg soll es generell sehr windig sein und das deckte sich auch mit meiner heutigen Erfahrung: Auf einer geraden hat man mal Rückenwind, auf der nächsten dann Gegenwind. Windstille gibts selten. Aber trotzdem waren die Bedingungen gut genug, dass ich heute 115km bis Rinteln gefahren bin.

Zu Mittag gab es ausnahmsweise mal Döner und Eis, weil die Geschäfte zu hatten. Und ansonsten hat mich auch die heutige Bekanntschaft mit Oliver gefreut, mit dem ich mich ein bisschen beim Radeln übers Radreisen unterhalten konnte. Dieser ist die vergangenen Tage die Werra gefahren und fährt nun auch noch die Weser hoch. Einzig wirklich negatives ist, nach wie vor, mein starker Schnupfen, den ich einfach nicht weg bekomme. Technik und psyche spielen bis jetzt voll mit.

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