- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Von Karlshamn nach Kalmar

Von Karlshamn nach Kalmar

Von Dienstag bis Donnerstag Mittag war ich unterwegs von Karlshamn nach Kalmar und bin weiter die Küste entlang gefahren.

Nachdem ich meinen Platz zum wild campen wieder geräumt habe, ging es erst einmal einkaufen und Wasser besorgen. Selten kaufe ich mir mal Wasser. In der Regel finde ich immer irgendwo etwas zum Auffüllen. Meist Toiletten, aber auch Leute in ihrem Garten ansprechen ist eine Lösung. Wenn ich mal in dünner besiedelte Regionen komme, bin ich aber auch für den Notfall ausgerüstet und führe einen Wasserfilter von Katadyn und einen SteriPen (UV-Strahler) mit mir mit.

Nach dem Einkauf ging es los zum heutigen Ziel: Karlskrona. Ausnahmsweise konnte ich die Schilder des Cykelspåret mal schnell finden, denn normalerweise hören sie einfach auf, wenn man in einer größeren Stadt angelangt ist. So kommt es mir zumindest vor und danach ist es immer so, als würde man die Nadel im Heuhaufen suchen.

Die ersten 40km navigierten jedenfalls die Schilder ausschließlich über Straßen und es kam ein Hügel nach dem anderen. Nachdem ich aber die kleine Stadt Ronneby durchfahren habe führte der Weg nur noch ausschließlich über Fahrradwege und es flachte etwas ab. Alles in allem fand ich die Etappe von Karlshamn nach Karlskrona jedoch nicht so der Bringer und das Highlight des Tages wartete dann Abends auf mich. Bei der Suche nach einem geeigneten Platz zum wild campen in Stadtnähe fuhr ich auf eine der vielen Inseln, auf denen die Stadt gebaut ist, und fand eine grandiose Stelle in einem kleinen Park direkt am Meer. Ungestört konnte ich dort den Sonnenuntergang genießen und zu Abend essen und direkt dahinter in mein Zelt steigen und einschlafen 🙂

Nach einer ruhigen Nacht direkt am Meer ging es zuerst einmal bei Lidl einkaufen, wo ich Rob und Marjolein, ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden, kennengelernt habe. Marjolein knüpfte Kontakt mit mir, indem sie mich nach dem Weg fragte. Ich teilte mein Vorhaben und gab die Frage zurück, indem ich auf die Liegefahrräder der beiden deutete. Marjolein antwortete, dass sie insgesamt “nur” 3 Wochen unterwegs seien und von Malmö bis Karlskrona so ziemlich die gleiche Strecke wie ich gefahren sind. Danach erzählten wir noch ein bisschen über die Ausrüstung und dann verabschiedeten wir uns. Ich war auf dem Weg ins Stadtzentrum, um mir dieses noch anzuschauen, und die beiden Niederländer fuhren bereits los in Richtung Kalmar.

Die Innenstadt von Karlskrona war nicht sonderlich groß, aber historisch und sehr schön. Besonders toll an der Stadt fand ich aber, dass sie sich über mehrere Inseln erstreckte.

Danach fuhr ich bei Sonnenschein und windstille los. Die ersten 10-15km konnte ich auf einem guten Fahrradweg fahren, danach wurde es sehr ländlich und die Strecke wurde für den Rest des Tages auf kaum befahrene Straßen verlegt. Nach etwa 25km machte ich dann meine erste Pause und Rob und Marjolein fuhren an mir vorbei. Die Stunde Vorsprung von ihnen war dann also dahin 😀

Je weiter ich von Karlskrona weg fuhr, desto flacher und idyllischer wurde es. Ich kam in einen großen Wald und ein paar Kilometer vor dem kleinen Dorf Kristianopel, mit dem bekannten Fährhafen, sprach mich Vella an. Vella war ein 37-jähriger Schwede, der auf dem Rennrad unterwegs gewesen ist und für seine nächsten Rennen trainierte. Auch er fragte mich wohin des Weges und danach kamen wir sehr gut ins Gespräch. Er erzählte mir z.B. davon, dass in dieser Region im Sommer die Straßen voll sind mit Bikepackern und normalen Radfahrern und sie alle im kleinen Kristianopel anhalten, um den Hafen und die alten Häuser zu betrachten. Er erzählte mir von seinen Rennen überall in der Welt mit dem Rennrad und dass er eigentlich in Stockholm wohnt. Er ist jedoch in dieser Gegend aufgewachsen und derzeit zu Besuch bei seinen Eltern. Vella lud mich dazu ein mit zum Haus seiner Eltern zu kommen, etwas zu essen und zu trinken und mal wieder eine Dusche zu nehmen nach all den Fahrradtagen ohne eine Dusche am Abend. So fuhren wir beide also zuerst nach Kristianopel, machten dort eine Pause und danach fuhren wir zum Haus seiner Eltern. Ich genoss die Dusche und fühlte mich wie neu geboren danach. Anschließend gab es vegetarische Bolognese und Vella informierte sich für mich über das Radeln auf Öland. Danach bedankte ich mich herzlichst bei ihm und folgte weiter den Schildern des Cykelspåret. Doch ich kam nicht weit, da traf ich Rob und Marjolein noch ein drittes Mal. Wir lachten über unser erneutes Wiedersehen und radelten nun gemeinsam weiter. Wir unterhielten uns über die Sinnhaftigkeit von Liegerädern, das Reiseradeln und Communitys von Radreisenden. Die beiden waren auch bei Warmshowers und wohnen bei Utrecht, wo ich im Sommer auch noch vor habe vorbei zu kommen. Sie luden mich zu sich ein und wir tauschten Kontaktdaten aus.

Gemeinsam fuhren die zwei Liegeräder noch etwa 40km mit mir mit. Gemeinsam hatten wir dann den Plan wild zu campen, doch wir fanden einfach keine geeignete Stelle und gaben nach etwa 10km suchen auf und entschieden uns für einen Campingplatz an der Küste.

Der Campingplatz war sehr schön und wir trafen sogar nochmal auf zwei Radreisende. Diese kamen auch aus den Niederlanden und haben vor insgesamt 4 Monate unterwegs zu sein. Sie sind von zu Hause aus gestartet und sind durch Deutschland und Dänemark gekommen. In Schweden möchten sie noch weiter bis Stockholm fahren und von dort aus die Fähre nach Tallinn (Estland) nehmen und dann wieder in Richtung Niederlande radeln. So saßen wir also am Abend zu fünft da und unterhielten uns über alles mögliche, aber vorallem übers Radreisen.

Am nächsten Morgen war das Paar, das 4 Monate unterwegs sein wollte, schon wieder weg, bevor ich überhaupt aufgestanden war. Rob und Marjolein waren noch da, räumten aber auch schon zusammen. Ich hingegen lies mir Zeit, frühstückte genüsslich, wartete mein Fahrrad, machte die alltägliche Nasenspülung und unterhielt mich noch eine ganze Weile mit einem Rentnerehepaar aus Nürnberg, die mich in der Entscheidung bekräftigten heute unbedingt die Fähre rüber nach Öland zu nehmen, weil es so schön dort sei.

Bis ich losfuhr war es schließlich nach 12Uhr und dann leitete mich mein Navi auch noch in eine Sackgasse, die mich fast 10km Umweg kostete. Danach war es nicht mehr denkbar sich mit Rob und Marjolein um 14Uhr am Fährhafen in Kalmar zu treffen, um die Fähre zusammen rüber nach Öland zu nehmen. Da dies nun nicht mehr möglich war, entschied ich mich dazu deutlich später erst die Fähre zu nehmen und mir lieber die Stadt Kalmar noch etwas anzuschauen, was ich dann auch nicht keineswegs bereute. Denn von allen schwedischen Städten, die ich bis dahin durchfuhr, gefiel mir Kalmar am Besten. Besonders gut fand ich das Schloss, wessen Außengelände man sogar kostenlos betreten konnte.

Statt also die Fähre um 14Uhr zu nehmen, nahm ich dann schließlich die um 17Uhr nach Öland. Was ich jedoch alles auf Öland erlebt habe, das werde ich Dir erst in meinem nächsten Tagebucheintrag berichten 😉

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