- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Von Kalmar nach Stockholm (Teil 1/2)

Von Kalmar nach Stockholm (Teil 1/2)

Nach meinen 2 Tagen Fahrrad fahren auf Öland ging es am Samstag Mittag wieder mit der Fähre zurück nach Kalmar. In einem Zeitraum von 5,5 Tagen bin ich nun bis nach Stockholm gekommen, wo ich nun erst einmal ein paar Ruhetage einlegen möchte. Inzwischen habe ich eine Gesamtdistanz von fast 2400 Kilometer zurückgelegt. Ziemlich genau die Hälfte davon in Schweden.

Am Samstag Mittag wieder am Hafen von Kalmar angekommen, fiel es wieder einmal schwer die Schilder des Cykelspåret oder die einer anderen Küstenroute zu finden. Somit ließ ich die ersten 20km nach Kalmar meinen Teasi navigieren, der mich aber wieder, wie so oft, über mangelhafte Fahrradwege führte. Kurz vor Läckeby stieß ich dann zum Glück wieder auf die Schilder des Cykelspåret und lies mich von diesem dann auch für den Rest des Tages weiter navigieren. Die Strecke führte über gute, schwach befahrene Straßen. Die Landschaft war weniger sehenswert. Meistens ging es entlang landwirtschaftlicher Nutzflächen und gelegentlich kam man mal durch ein Dörfchen. Gegen Abend kam ich dann wieder in unmittelbare Meeresnähe, nachdem ich beim navigieren immer ein paar Kilometer vom Meer entfernt gefahren bin. In den Dörfern am Meer fand ich es dann idyllisch, wozu in erster Linie die vielen roten Schwedenhäuser beigetragen haben. Übrigens: Sagte ich schon, dass die Schweden sehr ihr Vaterland anerkennen und alle paar Häuser (auf dem Land) eine kleine oder meist sogar sehr große Schwedenflagge gehisst wurde? Ist sehr auffällig und erinnert mich immer wieder daran, wo ich mich gerade befinde 😀

Gegen 18Uhr entschied ich mich dann dazu auf einen Campingplatz in Mönsterås zu gehen, um wieder einmal eine Dusche haben zu können. Um Preis und Öffnungszeit zu erfahren entschloss ich mich dazu dort anzurufen und erfuhr, dass mich eine Nacht ganze 195SEK (ca. 18,20€) kosten würde. Das war jedoch über meiner Schmerzgrenze, als ich mir überlegte, was ich dafür geboten bekomme. Ich hatte schon Campingplätze für nicht mal ein Viertel des Preises und einige für etwa die Hälfte des Preises.

Also ging ich mal wieder davon aus wild zu campen und auf die Dusche noch einen Tag mehr zu warten, weil laut meiner Campingplatz-App kein weiterer Platz mehr in machbarer Entfernung lag. Doch als ich dann gegen 19Uhr in Timmernabben ankam war da plötzlich ein Campingplatz ausgeschildert. Ich folgte dem Schild und fand einen schönen Campingplatz vor, wo ich für gerade noch vertretbare 145SEK mein Zelt aufschlagen konnte. Die Dusche war ein purer Genuss. Danach entdeckte ich die Spülküche und die war so super, dass ich mich dazu entschied mal wieder zu Abend zu kochen. Es gab, wie so oft, eine Schüssel Couscous mit Tomatensauce und eine mit süßem Couscous. Doch bevor dies geschah raubte mir mein Kocher einen echten Schrecken ein: Beim Anzünden fing plötzlich die Kartusche oben an zu brennen und nicht der Kocher. Voller Schreck entfernte ich mich blitzschnell von der Kartusche und da diese nicht aufhören wollte zu brennen, bekam ich schon Ängste, dass das Ding gleich in die Luft gehen würde. Gerade vor ein paar Wochen habe ich nämlich in der Serie “Nicht nachmachen” mit Bernhard Hoëcker und Wigald Boning gesehen, was passiert, wenn eine Gaskartusche mehrere Minuten lang brennt: Sie explodiert. Nun ja, diese hier war vielleicht noch 1% gefüllt, doch trotzdem wurde ich etwas panisch, warnte die angrenzenden Zeltnachbarn und bat sie um Ratschläge in dieser Situation. Diese waren jedoch allesamt schwedische Rentner und schienen mich gar nicht wirklich wahrnehmen zu wollen. Als sie dann doch endlich die Flamme an der Gaskartusche entdeckten, waren sie mehr desinteressiert und taten so als ob es das normalste auf der Welt sei. Na ja, vielleicht passiert sowas ja wirklich häufiger, wenn beim aufschrauben des Kochers eine geringe Menge Gas freigesetzt wurde. Jedenfalls erlosch die Flamme dann nach schätzungsweise 2 Minuten und nichts geschah. Einer der Rentner stand nun auf, schraubte den Kocher ab und wieder auf und zündete ihn an. Nun funktionierte alles. Ich bedankte mich und konnte dann rund 30 Sekunden kochen bis die Kartusche leer war 😀

Am nächsten Morgen lies ich mir dann mal wieder viel Zeit und fuhr erst gegen halb 12 los. Von Campingplätzen starte ich generell fast immer später als beim Wildcampen. Und da alle meine 3 Powerbanks und elektronischen Geräte keinen Akku mehr hatten und ich am Vortag nur wenig Strom über mein Solarpanel durch die permanent starke Bewölkung erzeugen konnte, lud ich meine Geräte dann eben in der Spülküche auf und wollte warten, bis diese voll aufgeladen waren.

Bei Nieselregen ging es dann los über das etwas größere Mönsterås und ein paar Kilometer danach hatten meine Gamaschen erstmals ihren Einsatz, da aus dem Nieselregen ein Starkregen wurde. Fast 1 Stunde fuhr ich durch ziemlich starken Regen, danach kam die Sonne raus und ich konnte meine Regenkleidung wieder ausziehen. Jacke, Hose und Gamaschen haben den ersten Starkregen gemeistert. Es hat alles dicht gehalten!

Die etwa 30km zwischen Mönsterås und Oskarshamn führten durch eine sehr ruhige und dünn besiedelte Region. Mir begegneten mal wieder ein paar wenige kleine Dörfchen mit typischen Schwedenhäusern, viele Weiden, landwirtschaftliche Nutzflächen und Wald. Nach ein paar Tagen minimaler Steigungen, gab es nun wieder den ein oder anderen Hügel zu bewältigen.

In Oskarshamn machte ich dann eine große Pause, ging bei Lidl einkaufen, und danach navigierte mich der Cykelspåret 20km lang über eine Schotterstrecke durch den Wald bis Figeholm. Von dort aus navigierten die Schilder dann 25km nur nach Westen, durch den Wald und fast ausnahmslos bergauf, obwohl ich topografisch betrachtet ganz gerade nach Norden musste. Jedoch gab es in dieser Gegend keine Straßen in diese Richtung, außer die stark befahrene Europastraße und so war ich gezwungen den Schildern zu folgen und letztendlich zickzack zu fahren.

Am Abend kam ich dann schließlich in Kristdala an und suchte mir eine geeignete Stelle zum Wildcampen an einem See.

Am nächsten Tag stellte ich dann fest, dass die Cykelspåret-Schilder in Kristdala völlig sinnlos wieder zurück in Richtung Oskarshamn zeigten. Also überlies ich das navigieren wieder einmal dem Navi. Ich fuhr 70km nur auf Straßen, immer Richtung Norden, hatte nahezu kein flaches Gelände und sah zu 99% Wald. Ich entschied mich aufgrund des Umwegs von rund 30km die anscheinend sehr schöne Stadt Västervik auszulassen und kam schließlich in der Stadt Gamleby an um eine größere Pause zu machen.

Danach entschied ich mich zum ersten Mal ein paar Kilometer auf einer Europastraße zu fahren, um größere Umwege und Steigungen über die Landstraßen zu vermeiden. Zum Glück gab es auf der Europastraße dann auch kaum Verkehr zu dieser Uhrzeit.

Danach erreichte ich einen schönen See in der Nähe von Edsbruk und schlug dort unmittelbar am Wasser mein Zelt auf. Direkt neben dem Zelt standen sogar eine Bank und ein Tisch und dort konnte ich dann ganz bequem zu Abend essen. An diesem Abend gab es Baguette mit Chili-Hummus, welches ich mir nun schon ziemlich oft in Schweden gekauft habe, weil es so verdammt lecker schmeckt 🙂

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