- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Von Helsingborg nach Gislövs läge

Von Helsingborg nach Gislövs läge

Am Donnerstag und Freitag bin ich von Helsingborg (Schweden) die schwedische Westküste entlang gefahren und habe Städte wie Landskrona und Malmö passiert. Anschließend bin ich ein Stück durchs Inland bis nach Trelleborg an der Südküste gefahren und habe mich auf dem Campingplatz in Gislövs läge niedergelassen.

Am Donnerstag Mittag bin ich mit der Fähre von Helsingør nach Helsingborg übergesetzt und habe so zum ersten Mal schwedisches Festland in meinem Leben betreten. In Helsingborg angekommen habe ich mir erstmal ein bisschen die Innenstadt angeschaut, die wirklich sehr schön war. Danach ging es los in Richtung Süden, immer den Schildern des “Sydkustleden” bzw. des übergeordneten “Cykelspåret” entlang. Mein erster Eindruck von Schweden war sehr gut: Top ausgebaute Fahrradwege, super Beschilderungen, günstigere Preise als gedacht (günstiger als in Dänemark) und natürlich überall hübsche, blonde Schwedinnen 😀

Ich folgte den Schildern weiter bis Landskrona und war bis dorthin begeistert von der Strecke. Es ging fast permanent direkt an der Küste mit deren wunderschönen Sandstränden entlang und schließlich in Landskrona angekommen habe ich dann wieder eine Pause gemacht und mir eine “Falafelrulle” gegönnt. Verspeist habe ich diese an einem Tisch, direkt an einer stark befahrenen Straße, bis ich plötzlich Bekanntschaft mit schwedischer Kriminalität machen durfte: Ein Auto hielt wenige Meter von meinem Tisch entfernt und 4 Männer, darunter ein dicker Oberkörperfreier Mann mit rotem Baseballschläger in der Hand, stiegen aus. Auf der anderen Straßenseite befand sich ein anderer Mann, der in diesem Moment von den 4 Männern angeschrien wurde. Plötzlich ging der Dicke mit dem Baseballschläger auf den Mann los, der aber blitzschnell reagierte und deutlich schneller rennen konnte. Der Herr mit dem Baseballschläger gab schnell auf, lief zurück und schlug aus Zorn mehrfach auf die Tür eines Lycamobile-Shops ein, bis diese komplett im Arsch war. Währenddessen reagierte ein Mitarbeiter der Imbissbude, bei der ich meine Falafelrulle gekauft habe und rief die Polizei an. Keine 30 Sekunden vergingen, da sah man schon von weitem ein Polizeitauto und hörte das Martinshorn. Die 4 Männer konnten jedoch schnell mit ihrem Wagen verschwinden und die Polizei verpasste sie somit um wenige Sekunden.

Daraufhin befragte die Polizei die Zeugen, darunter auch mich. Ich hoffe, dass ich nun nicht demnächst zu einem Gerichtstermin nach Landskrona eingeladen werde, um dort als Zeuge aussagen zu können 😀

Nach dieser Aufregung schaute ich mir noch kurz den Stadtkern von Landskrona an und folgte dann wieder weiter den Schildern, die nun immer schlechter wurden. Auch Radwege wurden seltener und oft fuhr man nun auf schwach befahrenen Straßen. Nach knapp mehr als 80km an diesem Tag lies ich mich in einem schönen Waldstück ein paar Kilometer vor Löddeköpinge nieder und konnte deutlich besser schlafen als in der Nacht davor.

Beim Zusammenpacken am nächsten Morgen setzte Regen ein, welcher dann auch bis zum Nachmittag anhielt. Ich folgte nun weiter den Schildern durch eine eher uninteressante Region bis nach Malmö. In Malmö (die drittgrößte Stadt Schwedens) angekommen, verließ ich die Schilder und fuhr in die Stadt hinein, um mir die Innenstadt anzusehen, welche ich auch ganz schön fand. Da der Regen leider noch schlimmer wurde, setzte ich mich erst einmal in ein schönes Café, trank einen Kaffee und genoss die bekannten schwedischen Haferkekse, die mir hier noch besser vorkamen als die Haferkekse aus den deutschen Supermärkten.

Danach entschied ich mich nach Navi ein kleines Stück durch das Inland bis nach Trelleborg an der Südküste zu fahren. Doch auf dem Weg aus der Großstadt heraus stieß ich auf eine Gruppe hunderter Jugendlichen, die mit geschätzt 20 oder 30 Pyros und der dadurch entstehendenen Rauchwolke den kompletten Straßenverkehr einschränkten. Die Jugendlichen hielten Flaggen und Schilder in die Luft und schrien irgendwelche Parolen. Zuerst hielt ich die Aktion für eine Demonstation und dachte zuerst an “Fridays for Future”, weil Freitag war. Vom Alter der Teilnehmer hätte es auch gut gepasst. Doch als ich dem ganzen näher kam, war ich mir da nicht mehr so sicher. Es schien mir dann mehr eine Fangruppe zu sein, da die Gruppe auf eine andere große Gruppe zulief (manche von ihne hatten Kostüme an), die irgendwann gegen die Parolen der Pyro-Gruppe dagegen zu halten versuchte. Plötzlich kam eine dritte Gruppe um die Ecke, die ausschließlich einfarbig grüne Pullover trug. Ein Teil von ihnen war maskiert und alle rannten sie ohne Umsicht über die breite Straße rüber zur Pyrogruppe und legten den Verkehr nun komplett lahm. Die Rauchwolke wurde danach noch größer, sodass ich auch von 100 Metern Entfernung gar nicht mehr erkennen konnte, was nun passierte. Dies alles kam mir doch sehr komisch vor und ich fragte mich, was der Anlass dieser Aktion war. Von Polizei war jedenfalls weit und breit keine Spur, wodurch die Aktion wohl normal für Malmö zu sein schien.

Schließlich entschied ich mich weiter zu fahren und folgte meinem Navi bis Trelleborg. Die Landschaft auf diesen 35km fand ich eher langweilig. Sie war hügelig, dünn besiedelt und es gab viele landwirtschaftliche Nutzflächen. Lediglich die Rapsfelder werteten gelegentlich die Gegend etwas auf. Alle paar Kilometer kamen kleine Dörfchen mit ein paar wenigen Häusern. Der Wind wurde in dieser Region viel stärker, der Regen lies jedoch endlich nach. In Trelleborg angekommen, entschied ich mich heute einmal auf einen Campingplatz zu gehen um mal wieder eine Dusche haben zu können. Der Campingplatz in Trelleborg, welcher mir auf meiner Campingapp “Camping.info” angezeigt wurde, schien derzeit nicht in Betrieb zu sein. Da laut der App der nächste Campingplatz aber fast 20 weitere Kilometer entfernt war und es schon recht spät gewesen ist, dachte ich schon, dass ich auch heute wieder wild campen werde müssen. Doch dem war nicht so. 7km später zeigte mein Navi plötzlich ein Zeltsymbol an. Ich war verwundert, fuhr dort hin und stand vor einem sehr schönen Campingplatz direkt am Strand. Für rund 12,50€ konnte ich dort also von Freitag auf Samstag mein Zelt aufschlagen und eine heiße Dusche nehmen 🙂

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