- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Von Gislövs Läge nach Karlshamn

Von Gislövs Läge nach Karlshamn

Von Samstag bis Montag bin ich von Gislövs Läge (bei Trelleborg) bis Karlshamn weitestgehend an der Küste entlang gefahren. Dies sind meine Eindrücke von dieser Strecke in Schweden:

Am Samstag lies ich mir schön viel Zeit auf dem Campingplatz in Gislövs Läge und bin erst gg. 12Uhr dort los gefahren. Am Vormittag habe ich mein Fahrrad ausgiebig gewartet und bin im Ort einkaufen gegangen.

Auf der Strecke ging es dann an diesem Tag nur schleppend voran. Der Gegenwind war stark und so waren häufig nur 10-15km/h möglich. Ebenfalls zog mächtig Nebel auf und die Landschaft erschien mir wieder einmal sehr monoton. Erst einige Zeit später löste sich der Nebel wieder auf und die Sonne zeigte sich, während ich nun auch eine spannendere Landschaft durchfuhr. Zu meiner rechten befand sich direkt das Meer mit einigen schönen Stränden und ich durchfuhr ein Waldgebiet nach dem anderen, wobei sich in jedem von ihnen eine Ansammlung schöner, großer Sommerhäuser befand.

In Ystad angekommen, entschied ich mich dazu mir die Innenstadt auch hier anzusehen und gleich noch einkaufen zu gehen. Sonderlich groß war die Stadt zwar nicht, der Stadtkern jedoch ganz nett und einen Besuch wert, zumindest wenn man mal in der Gegend ist.

Nach Ystad folgte ich einige Kilometer weiter der Küste und bog dann irgendwann ab in Richtung Inland, weil ein Schild des Cykelspåret es empfohlen hat. Etwas später bereute ich jedoch die Entscheidung dem Schild gefolgt zu sein, weil der Wind im Inland noch viel stärker war, weil es keinerlei Windschutz wie die Bäume an der Küste gab. Und auch folgte ein Hügel nach dem anderen. Mit schätzungsweise 8km/h im Durchschnitt hatte ich dann nach ein paar Kilometer Inland keine Lust mehr und suchte mir eines der kleinen Wäldchen aus, um dort wild zu campen.

Am nächsten Morgen ging es weiter durchs Inland. Alle paar Kilometer tauchte mal ein Schild des Cykelspåret auf, doch ich hatte keine Lust mehr auf das Inland, weil der Wind nach wie vor so stark war. So lies ich mich lieber an die Küste navigieren und kam bei Baskemölla an der Ostküste schließlich raus. Ebenfalls war es an diesem Tag wieder stark neblig mit teilweise einer Sicht von unter 100 Metern. Die Strecke konnte ich kein bisschen genießen und so kam ich dann auch einmal an den Punkt, an dem ich wirklich hinterfragte, warum ich das alles überhaupt mache.

Doch in Baskemölla angekommen stieß ich auf den gut beschilderten und gut ausgebauten Radweg “Sydostleden”. Danach gab es noch einen schönen Kaffee in einer Caféteria und die Stimmung war wieder hergestellt.

Etwas betrübt wurde sie dann wieder, als mich das Navi etwas später zu einem Militärschießplatz navigierte, dessen betreten jedoch verboten war. Ich musste also außen rum fahren und dafür auch noch schlechte Wege nehmen. Das Gebiet war ziemlich groß und so hat mich das locker eine Stunde extra gekostet. Endlich an der Küste angekommen, ging es total eben wieder an zahlreichen Dörfern mit Sommerhäusern vorbei. Die Dörfer lagen mitten im Wald und dazu zählte auch “Yingsjö”, wo meine heutigen Warmshower-Hosts Mette und Ulf wohnten und ihr Gästehaus für mich bereit stellten.

In Yngsjö angekommen gab es erstmal eine wohltuende Dusche und ich konnte die Küche der beiden benutzen um mir etwas zu kochen. Danach haben wir uns noch eine ganze Weile unterhalten. Ich merkte mal wieder, dass mein Englisch bedürftig war, nachdem ich 2 Jahre lang fast nichts mit der englischen Sprache zu tun hatte. Mit mir kann man sich auf jedenfall unterhalten, doch es läuft einfach nicht so fließend und ich muss sehr oft Dinge umschreiben. Die Schweden können alle sehr gut Englisch. Man wird ja doch täglich von ein paar Leuten kurz angesprochen, wenn man so ein bepacktes Rad dabei hat und da merkt man das immer sofort an der sehr guten Aussprache.

Jedenfalls gaben mir Mette und Ulf ein paar Tips für meine weitere Route in Richtung Stockholm und erzählten ein bisschen von ihren Touren und was sie noch so vor hatten. Sie erzählten, dass viele auf sie über Warmshowers aufgrund ihrer guten Lage aufmerksam werden und sie im Sommer in der Regel wöchentlich Anfragen bekommen. Wir unterhielten uns z.B. auch über die politische Situation in unseren Ländern und ein paar andere persönliche Dinge, die in unserem Leben passierten. Danach lud mich Mette dazu ein für mich am nächsten Morgen Frühstück zuzubereiten und ich nahm dankend an.

Nachdem ich es sehr genossen habe mal wieder in einem Bett zu liegen und ein reichhaltiges Müsli und Käsebrote zu mir genommen habe, bedankte ich mich herzlichst bei den beiden für ihre Gastfreundschaft und brach in Richtung Karlshamn auf, was an diesem Tag mein Ziel war.

Es war kaum zu glauben, aber es war nun windstill! Mit deutlich höherer Durchschnittsgeschwindigkeit als in den Tagen zuvor passte ich das schöne Åhus und fuhr ein wenig in Richtung Inland, nachdem mich Ulf auf ein erneutes Militärfeld hingewiesen hatte. Danach ging es langsam wieder in Richtung Küste und es lief gerade so mit über 20km/h im Schnitt 🙂

Ein paar Kilometer vor der Stadt Sölvesborg kam ich durch ein sehr schönes Naturreservat, das einen guten Kontrast zu den sonstigen landwirtschaftlichen Nutzflächen, Höfen und kleinen schwedischen Häuschen, die man zu genüge am Wegesrand sehen konnte, darstellte.

In Sölvesborg angekommen, ging ich einkaufen und machte eine große Pause. Auch meine erstes schwedisches Geld war aufgebraucht und ich konnte hier Geld abheben. Danach ging es über eine ziemlich lange und etwas futuristisch gestaltete Brücke über das Meer, da sich Sölvesborg an einer Bucht befand.

Die weitere Strecke nach Karlshamn war gut auf Fahrradwegen zu befahren. Am Abend kam ich dann in Karlshamn an und verzehrte mein Abendessen an einer sehr schönen Stelle neben dem Hafen. Danach schaute ich mir noch kurz den schönen Stadtkern an, knipste schnell noch ein paar Bilder und schaute mir die Halbinteln in “Karlshamn Yttervägga” an, mit der Hoffnung eine geeignete Stelle zum wild campen zu finden. Die geeignete Stelle fand ich auf diesen Inseln zwar nicht, jedoch erstmals das Skandinavien wie aus dem Bilderbuch. Zu sehen waren: Wasser, ein Steinstrand, kleine rote Häuschen, kleine Ruderboote und rote Fischerboote, eine Holzbrücke und ein paar Bäume. Es war so schön, dass ich vergaß ein Bild zu machen, was bei schöner Landschaft eher untypisch für mich ist 😀

Ein paar Kilometer weiter fand ich dann einen kleinen Wald, indem ich mich gut niederlassen konnte. Dort fielen leider zahlreiche Moskitos über mich her. Das Jungle Öl wirkte bei diesen eher nicht. Bis ich dann auf die Idee kam “Skin so soft” von Avon zu benutzen, hatte ich vermutlich schon 50 Stiche. Das Mittel wirkte aber dann gut und wird mir nun auch in Zukunft behilflich sein.

Es war 23Uhr und plötzlich hörte ich in der Ferne Donner und sah durchs Zelt wie der Himmel von den Blitzen hell wurde. Ich zückte mein Smartphone und las: “Gewittertendenz um 1Uhr”. „Na toll!” Da ich auf einem Hügel war und der Wald nicht sonderlich groß, sah ich ein erhöhtes Risiko für mich und entschied mich dazu wach zu bleiben, um rechtzeitig im Fall der Fälle das Gebiet verlassen zu können und Schutz zu suchen. Nach 1,5 Stunden warten verstummte es plötzlich! Das Gewitter, welches vom Ozean kommen sollte, hat sich wieder aufgelöst. „Na dann… Gute Nacht!”

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