- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Keine schöne Woche in Stockholm

Keine schöne Woche in Stockholm

Am vorletzten Donnerstag und Freitag hatte ich eine Unterkunft der etwas besonderen Art um mich zu entspannen und einigen organisatorischen Dingen nach zu gehen. Von Samstag bis Samstag habe ich bei einer 6-köpfigen, französischen Familie in Älvsjö gewohnt und dort auch wieder Marid und Jan vom Campingplatz bei Kalmar getroffen. Am vorletzten Samstag und Sonntag habe ich dann Sightseeing in Stockholm gemacht. Im laufe des Sonntags wurde ich leider krank und lag danach fast eine Woche mit Fieber (bis über 39°C) und üblen Kopfschmerzen im Bett. Die Laune war dann absolut dahin, aber zum Glück durfte ich mich bei den Franzosen auskurieren, wofür ich unglaublich dankbar war.

Am vorletzten Donnerstag bin ich in Skärholmen (Westliches Stockholm) angekommen und habe in mein “Hostel” eingecheckt. Während sich meine Unterkunft auf airbnb als “Hostel” bezeichnete, bezeichnete es sich vor Ort als ein Hotel. Für mich hatte die Unterkunft jedoch weder das eine, noch das andere. Mitten im Industriegebiet befand sie sich in einem rund 15 Stockwerke hohen, alten und heruntergekommenen Gebäude, dessen Gelände mit Maschendrahtzaun und zahlreichen Kameras gesichert wurde. Das Haus konnte man beim Check-In ausschließlich über die Klingel und die Nennung des Namens betreten, was mir sofort sehr suspekt vorkam. Die Lobby, welche sich im 7. Stockwerk befand, war ganz schön eingerichtet, mein Zimmer hingegen war sehr halbherzig eingerichtet und viel kleiner und unfreundlicher als auf den Bildern. Manche Dinge hatte die Unterkunft gar nicht zu bieten, mit denen jedoch über airbnb geworben wurde. Dafür wurde enorm viel Wert auf Sicherheit gelegt (überall außer auf den Zimmern und auf der Toilette gab es Kameras und die Regeln des Hauses waren streng). Recht schnell wurde mir bei Betrachtung der anderen “Gäste” klar, dass es sich hierbei weniger um eine Unterkunft für Urlauber handelte, sondern eher um so etwas wie eine Flüchtlingsunterkunft.

Nur ganz wenige Zimmer schienen hier an andere airbnb-Gäste weiter vermietet zu werden. Erwähnt wurde dies jedoch nirgendswo mir gegenüber. Die Unterkunft war rießig, besaß mehrere hundert Zimmer und 99% der Personen schienen dauerhaft dort zu wohnen und jeder besaß sein eigenes Zeug, wodurch z.B. mit einer Küche geworben werden konnte, aber rein gar nichts zum kochen und essen dort vorhanden war.

Wie auch immer. Ich spare mir nun weitere Einzelheiten. Jedenfalls war es der einzige airbnb-Flop, den ich bisher erleben durfte und ich habe schon einige Unterkünfte über die letzten Jahre gebucht. Andererseits war es jetzt auch keine Katastrophe. Es war einigermaßen sauber und das Wlan funktionierte gut, sodass ich von Donnerstag bis Samstag dann auch gut das tun konnte, weshalb ich mir in erster Linie die Unterkunft genommen habe: Entspannen, aber vorallem mich um meinen Blog kümmern und Warmshower-Hosts für die weitere Zeit in Stockholm und Uppsala anzuschreiben.

Ansonsten habe ich nur noch Donnerstag Abend eingekauft, mir das gigantische Einkaufszentrum in Kungens Kurva angesehen und einen Teil meiner Klamotten mit der Hand gewaschen, was mal wieder dringend nötig war.

Bei der Hostsuche fand ich für Uppsala lustigerweise recht schnell einen Host, obwohl ich nur zwei Stück angeschrieben habe. Für Stockholm erwies sich das leider nicht so einfach. Nach etwa 20 Anschrieben hatte ich drei verschiedene Hosts, die mich für je eine Nacht (ab Sonntag) beherbergen konnten. Erst am Samstag Vormittag empfing ich dann die Antwort von Marion & Erik, welche Franzosen waren und mit ihren vier Kindern in Stockholm Älvsjö wohnten. Sie kündigten noch ein Niederländisches Ehepaar für die anstehende Nacht an, meinten aber, dass ich gerne mehrere Nächte bei ihnen bleiben könnte. Ich freute mich sehr und kündigte mich für den Abend an.

Davor bin ich dann noch für einige Stunden erstmals nach Stockholm reingefahren, habe mir die wunderschöne Altstadt angeschaut und mir zur Feier des Tages noch einen Vegetarischen Teller in einem angesagten Dönerladen gegönnt. Dort lernte ich dann Paul & Sonja kennen, die aus meiner Heimat (aus Landau) kamen und auf der Durchreise zu ihren Semesterpraktikas in Uppsala und Trondheim waren. Ich habe mich mit den beiden eine ganze Weile sehr gut unterhalten. Danach lud mich Paul sogar zu sich nach Uppsala zum übernachten ein. Dies musste ich dann aber leider dankend ablehnen, weil ich ja nun schon einen Host gefunden hatte.

Danach mussten die beiden leider weiterreisen, während ich mich vor einem starken Regen in ein hippes Café retten musste. Dort saß ich dann bestimmt 2 Stunden und aktualisierte erstmals meine Reisestatistiken, was mir sehr viel Spaß machte, weil ich Statistiken einfach liebe. Danach war es Abend und ich fuhr mit dem Rad nach Alvsjö, wo die französische Familie wohnte.

Dort angekommen wurde ich sehr freundlich begrüßt, bekam von Erik eine Hausführung und stand dann plötzlich schon wieder vor Marid und Jan – dem niederländischen Ehepaar das ich bereits schon auf dem Campingplatz kurz vor Kalmar kennenlernen durfte. Es war sicherlich ein großer Zufall sie wieder zu sehen 😀

Nach dem gemeinsamen Abendessen waren die Franzosen verabredet und liesen mich mit Marid und Jan alleine zurück. Wir kochten uns gemeinsam etwas und machten uns einen entspannten Abend. Wir redeten über erlebtes und privates aus unserem Alltag. Marid und Jan erzählten mir was sie beruflich so machten, woraufhin ich Marid als Allgemeinärztin auf meine inzwischen chronisch gewordene Nasennebenhöhlenentzündung ansprechen konnte. Sie schaute sich meine täglichen Allergie- Medikamente an und meinte, dass ohne diese wahrscheinlich bei der derzeitigen Pollenbelastung alles dicht sein würde. Ein Arztbesuch in Schweden hielt sie für nicht hilfreich und riet mir aufgrund des Aufwandes davon ab. Die Entzündung würde ich wahrscheinlich erst nach meiner Reise irgendwann wieder loswerden können, so meinte sie. Eingeschränkter Geruchs-und Geschmackssinn, sowie gelegentlich verstopfte oder laufende Nase musste ich somit also in Kauf nehmen, wenn ich weiter fahren wollte.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns dann wieder von Marid und Jan, weil diese an diesem Tag vor hatten die Fähre rüber nach Tallinn (Estland) zu nehmen. Ich hingegen hatte vor noch bis Dienstag oder Mittwoch in Stockholm zu bleiben und heute ordentlich Sightseeing zu machen.

Nach ein paar Tipps von Tochter Siloi ging es dann am Vormittag los. Nachdem ich mir die Verpflegung für den Tag im Supermarkt gekauft habe nahm ich erst einmal den Zug zum Hauptbahnhof und habe mir Normalm mit dessen kilmoterlanger Einkaufspassage Drottninggatan angeschaut. Danach schaute ich mir die Stadtteile Vasastaden (Aussichtspunkt, Bibliothek, Park) und dann Kungsholmen (Promenade, Rathaus, Kirchen) an. Mit der Metro bin ich dann zur ruhigen Insel Långholmen gefahren und anschließend wieder ein Stück zurück um den zentralen Stadtteil Södermalm zu erkunden, wo es eine Straße mit einer tollen Aussicht, sowie eine Aussichtsplattform gab. Gegen Abend bin ich dann noch einmal in die schöne Altstadt Gamla Stan gegangen, welche mir von allem am Besten gefallen hat, und dann wieder zurück nach Södermalm, um eine schöne Bar ausfindig zu machen und ein bisschen was vom Stockholmer Nachtleben mitzubekommen. Leider hatte ich seit Nachmittag ziemliche Kopfschmerzen und wurde etwas müde. Zuerst dachte ich, ich sei vielleicht einfach zu viel gelaufen (waren immerhin rund 30.000 Schritte bis dahin) und habe zu wenig getrunken. Doch die Kopfschmerzen wollten nicht verschwinden und wurden eher schlimmer. Etwas später hatte ich dann eine schöne Bar gefunden und genoss das erste Bier in Schweden, welches mehr als 3,5% Alkohol besaß (Für mehr als 3,5% muss man in Schweden den teuren “Systembolaget” besuchen).

Nach ein paar Minuten gesellten sich dann Link, William, John und ein vierter (Name vergessen) an meinen Tisch. Die vier kamen von einem Rock-Konzert in der Nähe, waren zwischen 21 und 32 Jahre alt und in sehr guter Stimmung. Schnell kamen wir ins Gespräch und hatten uns zunächst umfangreich über schwedische und deutsche Mentalitäten unterhalten. Danach unterhielt ich mich einzeln mal mit jedem. Link war 32 und hat sein Hobby zum Beruf gemacht, in dem er Musikstücke fürs Theater komponiert. Mit Link sprach ich zuerst sehr lange über Musik, dann über Nachhaltigkeit, Politik, Systemalternativen und Umsturz. Danach unterhielt ich mich mit John über das Thema Radreisen und bekam abschließend von ihm das Feedback: “You are the most interesting person I talked to for years”. Da hab ich mich natürlich schon etwas geschmeichelt gefühlt 😀

Danach habe ich mich noch wirklich lange mit William unterhalten, der bei einem Gesprächsanteil von geschätzt 99% erläuterte, warum er sich so schwer tat Mädels kennenzulernen. Sehr detailliert beschrieb er mir seine Gedankengänge und eine Reihe gesellschaftlicher Missstände im Bezug auf das Thema Sexualität.

Es war eine echt schöne Runde und ich hätte verdammt Lust gehabt noch eine Weile in der Bar zu bleiben. Jedoch wurden die Kopfschmerzen immer schlimmer und ich total müde. Also verabschiedete ich mich bereits schon kurz nach Mitternacht und fiel gg. 1Uhr dann völlig erschöpft in mein Bett.

Eigentlich dachte ich, dass ich nach einer guten Nacht wieder total fit sein würde. Doch es kam anders und ich wachte am morgen schwach und nach wie vor mit Kopfschmerzen auf. Da ich mich auch fiebrig fühlte, maß ich meine Temperatur und stellte mit erschrecken fest, dass ich tatsächlich 38°C fieber hatte. Scheiße! Da waren die Sightseeing-Pläne also dahin und ich musste in meinem Bett bleiben.

Am Nachmittag kam Erik nach Hause und ich musste ihm mitteilen, dass ich krank geworden bin. Daraufhin fragte ich ihn, ob ich noch etwas länger bleiben kann um mich auszukurieren. Erik bejahte wofür ich ihm und seiner Familie unglaublich Dankbar gewesen bin.

Leider kam es noch viel schlimmer und das Fieber stieg in der kommenden Nacht sogar auf über 39°C an und die Kopfschmerzen nahmen zu. Ich entschied mich am Nachmittag in ein Medizentrum zu gehen um ohne einen Termin zu einem Arzt gehen zu können. Außerdem bekam ich Angst, dass es mit der Zecke, die ich auf Öland gehabt habe, zusammenhängen könnte. Ich hatte einen 90%-tigen Impfschutz gegen FSME und keine Borreliose-typische Wanderröte. Jedoch sind Grippesymptome auch typisch bei FSME-oder Borrelioseinfektionen, was mich natürlich verunsicherte. Ebenfalls fand ich es sehr komisch nur Fieber und Kopfschmerzen, aber keine Erkältung zu haben. Das habe ich sonst nie!

Am Dienstag Abend konnte man mir leider nicht im Medizentrum helfen und schickte mich weiter zu einem “närakuten”. Nach gut einer halben Stunde warten kam ich endlich an der Rezeption dran und wurde abgewiesen. Für Probleme wie meines sollte ich mich an eine andere Stelle wenden, welche noch geöffnet haben sollte. Also rief ich zweimal die entsprechende Nummer an und konnte niemanden erreichen. Na toll! Dann eben nochmal morgen versuchen.

Am nächsten Tag war das Fieber immernoch permanent über 38°C und ich fühlte mich kaum besser. Ich rief die schwedische Gesundheitsinformation an, um zu erfahren an welchen Arzt ich mich denn nun wenden sollte. Nach der Schilderung des Problems wurde ich zuerst an das selbe Närakuten wie bereits am Vortag empfohlen, was ich wirklich für einen schlechten Scherz hielt. Die Frau am Hörer konnte nicht verstehen, warum ich dort abgelehnt wurde und empfiehl mir dann eben ein anderes närakuten, welches deutlich weiter entfernt war. Falls diese meine Behandlung auch verweigerten müsste ich mich an eine Notaufnahme eines großen Krankenhauses wenden. Mehr hatte Schweden leider nicht zu bieten. Klares Minus!

Dies war dann auch der Fall. Das andere Närakuten wollte mich auch nicht behandeln und so ging ich ein großes Krankenhaus, wo ich dann sogar nach etwas mehr als einer Stunde warten dran kam und einen Bluttest machen sollte. Leider sind Blutteste nicht sonderlich aussagekräftig bei FSME und Borreliose. Doch für den Arzt schien es auszureichen, als er mir nach 4 weiteren Stunden die Ergebnisse (“keine erhöhten Entzündungswerte”) mitteilte. Er hielt eine FSME-oder Borrelioseinfektion für zu unwahrscheinlich um mir Liqor aus dem Rücken zu entnehmen und schloss mit meiner Erkrankung auf einen normalen Infekt, dem ich einfach mit viel Ruhe entgegenwirken sollte.

Dies tat ich dann auch. Am Donnerstag hatte ich auch noch den ganzen Tag über 38°C fieber. Am Freitag ging es mir dann endlich deutlich besser und ich hatte nur noch erhöhte Temperatur und war Abends sogar wieder bei 37°C. Leider war ich jetzt sehr gefrustet, dass es zu so etwas kommen konnte. Es war ja nicht so, als würde ich bereits schon seit 8 Wochen mit einer Nasennebenhöhlenentzündung beschäftigt sein, die sich in der Krankheitswoche dann sogar wieder verschlechtern konnte.

Stockholm ist wirklich eine sehr schöne Stadt, aber meine Zeit hier konnte ich leider fast gar nicht genießen, weil ich wie auch schon in Hamburg und Kopenhagen mehr mit meiner Gesundheit beschäftigt war.

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