- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Fahrrad fahren auf Öland

Fahrrad fahren auf Öland

Von Donnerstag bis Samstag habe ich einmal Öland mit dem Fahrrad erkundet. Ich habe in Kalmar am Donnerstag Mittag die Fähre für 60SEK (ca. 5,60€) genommen und wollte auf der Westseite bis an die nördlichste Spitze der Insel Ölands fahren. Danach hatte ich den Plan auf der Ostseite wieder gen Süden und zurück zur Fähre zu radeln. Jedoch kam es anders als geplant. Die Entscheidung nach Öland zu fahren fiel erst ein Tage davor.

Um nach Öland zu kommen gibt es als Radler und Fußgänger nur eine Option: Die Fähre, welche tagsüber meist stündlich verkehrt. Es gibt zwei Fährverbindungen: von Kalmar nach Färjestaden, sowie von Oskarshamn nach Byxelkrok, wobei letztere jedoch nur in der Hochsaison verkehrt. Ich war im Mai also auf die Fährverbindung von Kalmar aus angewiesen, da die große Brücke nämlich ausschließlich für den Autoverkehr freigegeben war. Nach einer Überfahrtsdauer von gerade einmal ca. 20 Minuten kam ich in Färjestaden, welches relativ zentral auf der langgezogenen Insel liegt, an. Öland ist an seiner breitesten Stelle nämlich gerade einmal 16km breit, weist jedoch von Nord nach Süd eine Distanz von 137km auf.

Mein spontaner Plan war es immer nach Norden zu fahren und zunächst einmal nach Borgholm zu kommen, welches mit dem Fahrrad 31km entfernt von Färjestaden liegt. Keine 100m von der Fähre entfernt, begrüßten mich dann auch schon Schilder von drei verschiedenen Fahrradrouten, die alle in die gleiche Richtung zeigten: der bekannte “Ölandsleden”, der “Sverigeleden”, welcher mir andauernd in Südschweden begegnete und ein dritter Fahrradweg, welcher mit seiner blauen Schilderfarbe der “Cykelspåret” sein könnte, jedoch keinen Namen besaß.

Den Schildern gefolgt kam ich jedenfalls auf einen grandios in Schuss gehaltenen Fahrradweg, der mir die Hoffnung gab auf Öland deutlich besser radeln zu können als auf dem schwedischen Festland. Der Fahrradweg blieb gut, endete jedoch nach etwa 8km. Von nun an hatte ich die Möglichkeit Sverigeleden und Ölandsleden im Zickzack und meist auf schlechten Wegen und mit einigen Höhenunterschieden zu folgen, oder den blauen Schildern entlang der recht stark befahrenen “136”. Ich entschied mich für letzteres, probierte zwischendurch aber mal den Ölandsleden für wenige Kilometer aus, war jedoch von dessen Wegbeschaffenheit nicht sonderlich begeistert. Auf der “136” hatte man jedoch, bis Köpingsvik zumindest, recht viel Platz neben dem Autoverkehr zum Fahrrad fahren. Nördlich von Köpingsvik wurde die “136” etwas gefährlicher für Radfahrer, da man sich meist die Spur mit den Autos teilen musste. Wenn man aber keine Lust mehr auf nervige Autos hatte, konnte man sich jederzeit immer wieder für die schlechten Wege des Ölandsleden und Sverigelen entschieden. So viel einmal zu den Fahrradwegen.

Zu den Höhenunterschieden: Auf meinen ersten 20km waren leichte Steigungen zu bewältigen, danach hatte die Insel aber wirklich den Titel als “flache Insel” verdient. Somit ist diese Werbung fürs Fahrrad fahren auf Öland durchaus gerechtfertigt, auch wenn ich es mir im Vorhinein nochmal deutlich flacher vorgestellt habe.

Doch nun einmal zur Landschaft, die auf jedenfall anders als die Landschaft der gegenüberliegenden Festlandseite ist. Auf Öland gibt es zunächst einmal unzählige Weiden mit Rindern und generell etwas mehr unbewaldete Flächen. Immer wieder gibt es aber auch hier kleine Waldgebiete. Dann sind da natürlich die uralten Windmühlen, die einen sehr nostalgischen Wert haben. Sie sind nicht sonderlich groß, aber sehr schön und in ihrer Art vermutlich einzigartig. Weniger einzigartig sind dagegen die großen Windräder, welche auf Öland ebenfalls recht häufig zu sehen sind, weil es dort auch überdurchschnittlich starken Wind gibt. Wie auch auf dem Festland gibt es auch auf Öland die klassichen, roten Schwedenhäuser. Natürlich leben hier auch einheimische, obwohl es defintiv eine Touristeninsel ist. Auch hier haben teilweiwe, wie auf dem Festland, 5 Häuser ihren eigenen Dorfnamen.

Wenige Kilometer vor Borgholm war dann auf der linken Seite das große Schloss von Borgholm zu erkennen. Dieses hatte mir bereits ein Ehepaar aus Nürnberg wärmstens empfohlen, aufgrund seiner sehr schön angelegten Blumenanlage. Ich fuhr dorthin, konnte allerdings aufgrund der späten Tageszeit keine Besichtigung machen. Der Umweg hatte sich jedoch trotzdem gelohnt, weil von dort oben der Ausblick auf Borghom und das Meer sehr schön war.

Kurz darauf bin ich dann in Borgholm angekommen, welches ich als eine sehr schöne und touristische Kleinstadt bezeichnen würde. Ich bin dort einmal die Fußgängerzone und am Hafen entlang geschlendert und habe mir dort ein paar Lieder einer, für meinen Geschmack, guten, schwedischen Jazzband angehört. Danach ging es weiter auf einem Fahrradweg nach Köpingsvik, wo man eine große Ansammlung von Campingplätzen anfinden konnte. Inzwischen war es schon nach 20Uhr, doch einen der Plätze wollte ich aus finanziellen Gründen nicht ansteuern. Mir war es mehr nach Wildcampen am Meer. Also fuhr ich noch bestimmt 15km weiter, bis ich endlich eine Straße, die zum Meer führte, finden konnte. Am Meer angekommen befand ich mich wieder in einem dieser 5-Häuser-Dörfchen, wo ich mich dann einfach niederließ zum Wildcampen. Natürlich wurde ich gesichtet, doch die Schweden sind auch noch entspannt, wenn vor ihrem Grundstück direkt ein Zelt steht 😀

Gut ausgeschlafen stand ich dann am nächsten Morgen auf und genoss mein alltägliches Müsli mit Wasser und hatte direkten Meeresblick. Die Sonne schien und schenkte mir für einen kurzen Moment das Gefühl nicht besser in den Tag starten zu können. Doch was ist das?! Eine Zecke befand sich an meinem linken Bein. Na toll! Wie kam die denn dahin? Immer versuche ich hohes Gras zu vermeiden und ich durchsuche mich fast täglich und trotzdem habe ich mir eine eingefangen und das auch noch in einem Borreliose-Risikogebiet. Nun ja, ich entfernte den Übeltäter mit meiner Zeckenkarte und hoffte auf keine weiteren Komplikationen. Ein paar Minuten später fand ich dann sogar noch eine zweite, die in meinem Zelt herum krabbelte.

Danach ging es los und ich verfuhr mich erst einmal richtig blöd und hatte mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Als ich dann aber irgendwann wieder die “136” erreichte wendete sich das Blatt und ich hatte Rückenwind, wie ich ihn auf meiner Reise noch nie erleben durfte. Mit durchschnittlich 30km/h konnte ich so in Top-Zeit die ersten 20km des Tages zurück legen. Danach entschied ich mich dazu mal die langweilige “136” zu verlassen und dem Ölandsleden zu folgen, was ich dann aber bitter bereute.

Der Ölandsleden war hier mal wieder eine Schotterpiste mit zahlreichen Schlaglöchern. Manche von ihnen waren tief und groß und so ließ es sich nicht wirklich vermeiden durch manche von ihnen direkt durchzufahren. So geschah dann leider aber auch das zweite Unglück des Tages: Eine meiner Befestigungsschellen des vorderen Gepäckträgers ging zu Bruch. Es erklang ein komisches Geräusch, das ich im ersten Moment nicht zuordnen konnte. Zuerst dachte ich eine Speiche sei gebrochen, doch konnte nichts vorfinden. Ein paar Kilometer später sah ich dannnjedoch den schiefen Gepäckträger und entdeckte die kaputte Schelle, die kurz vorm rausrutschen war. Ich fixierte den Gepäckträger nun provisorisch mit einem Kabelbinder und recherchierte nach einer Fahrradwerkstatt, wobei ich leider für ganz Öland kein Erfolg hatte. Also rief ich das Touristenbüro an, wobei mir die Mitarbeitern 2 Läden auf ganz Öland nennen konnte. Einer davon war in Löttorp (etwa 20km entfernt) und der andere in Borgholm. Löttorp war deutlich näher und lag sowieso auf dem Weg. Jetzt hieß es nur noch hoffen, dass der Gepäckträger nicht ganz abkrachte.

Ganz entspannt fuhr ich also nach Löttorp und musste dann feststellen, dass der Fahrradhändler geschlossen hatte, obwohl Freitag Mittag war. Na toll! Am Telefon ging auch keiner ran. Also rief ich in Borgholm an und ich bekam die Antwort, dass sie tatsächlich Schellen hatten. Ich hatte ja schon befürchtet, dass ich mindestens bis Kalmar fahren müsste, um einen Laden mit Schellen zu finden. Der Händler meinte dann sogar zu mir, dass man auf Öland, anders als generell in Schweden, das Fahrrad im Bus mitnehmen konnte. Das freute mich sehr zu hören. Nun musste ich nur noch 4 Stunden in Löttorp totschlagen, bis der nächste Bus nach Borgholm fuhr. Wenigstens fand ich recht bald eine hippe Bar, in der ich auch gleich meinen letzten Blogeintrag verfassen konnte 🙂

Am Abend kam dann endlich der Bus und nach Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Busfahrer, welcher nur schwedisch konnte und keine Ahnung hatte, wie man das Fahrrad auf der Rückseite des Busses befestigt, schafften wir es endlich irgendwie das Fahrrad mit meinen beiden Expandern zu befestigen. Bei dieser Art der Sicherung hatte ich dann auch ganz schön Angst, dass es herunter fallen würde. Jedoch blieb alles dran und ich konnte es unbeschädigt in Borgholm wieder vom Bus nehmen.

Danach entschied ich mich auf den Campingplatz in Borgholm zu gehen, fand jedoch eine nicht besetzte Rezeption vor. Also klingelte ich diese insgesamt fünf mal unter drei verschiedenen, angegebenen Nummern an. Eine der Nummern war sogar die Notfallnummer für die Nacht, doch auch hier ging nur die Mailbox heran. Danach war ich der Meinung alles versucht zu haben und lies mich auf dem Luxuscampingplatz mit Schwimmbad und allem drum und dran dann einfach nieder. Da ich mich leider nicht anmelden konnte, hatte ich aber leider keine Karte um Zutritt zu den sanitären Anlagen zu haben.

Am Abend schlenderte ich dann nochmal durch Borgholm mit dem Ziel eine gut belebte Bar ausfindig zu machen: Doch Fehlanzeige. Es gab haufenweise edle Restaurants und Bars für wohlhabende Menschen, sowie ein normales Pub, welches allerdings kaum und nur von Rentnern gefüllt war. In der Fußgängerzone gab es noch ein paar mehr Bars, doch schienen alle nur in der Hauptsaison geöffnet zu sein. Das wurde wohl nichts mit dem Plan andere junge Leute kennen zu lernen.

Am nächsten Morgen packte ich früh zusammen und ging zur Rezeption des Platzes. Ich erklärte, dass ich niemanden erreichen konnte und keinen Zugang zu den sanitären Anlagen hatte. Daraufhin meinte die Frau an der Rezeption dann einfach nur zu mir: „It’s okay, you can go. You’re honest”. Also wieder etwas Geld gespart 😀

Danach frühstückte ich auf dem schönen Marktplatz von Borgholm, wo schon mächtig was los war und der Samstagmarkt gerade im Aufbau war. Anschließend steuerte ich den Fahrradladen an. Der Besitzer des Ladens hatte tatsächlich die passenden Schellen, musste durch diese aber noch Löcher für meine Schrauben bohren. Ich kaufte mir gleich zwei Stück, um auch für einen erneuten Schellenbruch ausgerüstet zu sein und war sehr erleichtert endlich wieder weiter fahren zu können.

Ich strich nun jedoch den Plan an die Nordspitze der Insel zu radeln und entschied mich dazu auf direktem Weg wieder Färjestaden anzusteuern und die Fähre zurück nach Kalmar zu nehmen. Den Weg kannte ich ja bereits und so entschied ich mich eine kleine Challenge daraus zu machen und die 31km bei Gegenwind in 1,5h zu schaffen, um die Fähre um 13:30Uhr nehmen zu können. Ich strampelte ordentlich und ich schaffte es genau um 13:29Uhr dort zu sein. Die Fähre, welche bereits los gefahren war, sah mich daherradeln, machte eine Wende und kam extra für mich zurück um mich mitzunehmen. Es war eindeutig mein Glückstag!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Hallo Jonas,
    jetzt endlich ein Kommentar von deinem Zeltnachbarn aus Rothenburg.
    Ich lese hier fleißig mit und bin ganz neidisch auf deine tolle Tour. Momentan bin ich wieder selbst auf Achse. Leider wieder nur für vier Tage von Himmelfahrt bis Sonntag.
    Deine Geschichte bezüglich der Kriminalität war echt heftig. Meine bisherigen Erfahrungen in Schweden waren dagegen sehr Bullerbü.
    Dir weiter eine Gute Fahrt und viel Spaß!
    Daniel

    1. Hey Daniel,

      vielen Dank Dir und es freut mich sehr zu lesen, dass du mein Abenteuer so aktiv verfolgst. Ich wünsche dir vier wunderbare Tage auf dem Bike und vielleicht kreuzen sich ja mal wieder unsere Wege. Würde mich sehr freuen.

      Gruß Jonas 🙂

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