- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der Start

Der Start

Vor 4 Tagen bin ich in Böhl-Iggelheim mit sehr gemischten Gefühlen gestartet und konnte in dieser noch sehr kurzen Zeit gut in die Reise rein kommen. Der erste Tag fühlte sich euphorisch und auch irgendwie irreal an. Ich konnte immernoch nicht so ganz glauben, dass es jetzt losging. Ab dem 2., spätestens 3. Tag änderte sich dies aber und ich war gedanklich schon ganz gut drin. Nun sind 4 Tage vergangen und ich bin endgültig im flow. Doch ich beginne mal von vorne:

Am Vormittag des 13.4. ging es los. Recht unspektakulär verlief die Strecke an diesem Tag. Es ging lange den Rheinradweg entlang und dann in Nierstein (kurz vor Mainz) nahm ich die Fähre auf die andere Seite des Rheins. Dort lernte ich auch eine nette Familie kennen, welche mich beim Anblick des voll bepackten Rades erst einmal mit Fragen zu meiner Reise durchlöcherte. Als wir uns wieder verabschiedeten wollte ich einmal mein Navi austesten, indem es mich nach Rüsselsheim am Main navigieren sollte. Dies endete jedoch in einer Katastrophe. Die vorgeschlagene Route glich nicht einmal einem Wanderweg. Also drehte ich wieder um und lies mir eine neue Route berechnen. Doch auch dieses mal navigierte es mich entlang einer katastrophalen Route. Auch die dritte berechnete Route war eine Katastrophe, indem mich das Navi durch hohes Gras navigierte. Mir reichte es nun und ich nutzte mein Handy mit Google Maps. Und tada: Auf Anhieb klappte es! Ein grandios ausgebauter Radweg für die nächsten 15km. Danach kam ich in Rüsselsheim an und folgte nun noch bis Frankfurt dem gut ausgebauten und gut beschilderten Mainradweg.

Der 1. Tag war wirklich kalt und geprägt von einigem Gegenwind. Trotzdem schaffte ich es noch vor Dunkelheit bei Carlotta in Frankfurt anzukommen. Dort bekam ich eine schöne Dusche, Carlotta bekochte mich und daraufhin liesen wir den Tag entspannt mit einem Tee in ihrer Wohnung ausklingen.

Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von Carlotta, welche zu einem Brunch eingeladen war und recht früh los musste. Ich frühstückte währenddessen ganz entspannt in ihrer Wohnung, packte meine Sachen und machte mich auf den Weg. Leider kam ich keinen Kilometer weit, bis mir auffiel, dass mein Tacho nicht mehr zählte. Der Magnet war die Speichen herunter gerutscht. “Kein Problem!”, dachte ich mir. Doch es gab ein Problem: Das Gewinde im Magnet für die Schraube war kaputt. Das wars dann mit dem Tacho. Bereits am 2. Tag! Anschließend nutze ich dann eine Handy-App, welche die Entfernungen per GPS zählte. Doch auch die musste mich leider enttäuschen, denn nach einigen Stunden machte die App jedes Mal einfach einen Reset. Na super! Jetzt muss ich meine Entfernungen erstmal überschlagen und mir demnächst mal einen neuen Tacho kaufen. Kurz nachdem ich es mit dem Tacho aufgab, war ich erstmal damit beschäftigt, eine große, gesperrte Zone in Frankfurt wegen einer kontrollierten Bombensprengung zu umfahren.

An diesem Tag ging ich es aber geplant extrem entspannt an. Ich fuhr gerade einmal rund 35km (von Frankfurt bis Hanau). Dies lag in erster Linie daran, dass ich erst am Montag Abend mit Kim in Fulda verabredet war und dass es auf der Strecke zwischen Frankfurt und Fulda nur am Anfang und am Ende einige Campingplätze gab. Dazwischen gab es gar keinen. Also entschied ich mich an diesem Tag für die kurze Distanz. Auf der Strecke nach Hanau lernte ich Dieter kennen, welcher aus Frankfurt kommt und begeisterter Radfahrer schon seit 25 Jahren ist. Er erzählte mir, dass er in dieser Zeit bereits 360.000km mit dem Fahrrad zurück gelegt hat und auch Mitglied im radreise-forum ist. Dieter gab mir einige Tipps mit auf den Weg und erzählte ein paar Geschichten von seinen vielen Touren. Dann schlug er mir den Campingplatz in Hanau vor, führte mich dort hin und lud mich sogar noch auf einen Kaffee ein, was mich sehr gefreut hat.

Früh am Campingplatz angekommen, kam ich dort mit ein paar Dauercampern ins Gespräch. Von einem bekam ich ausführlich etwas über das Leben als Dauercamper erzählt, von einer anderen wurde ich als verrückt bezeichnet, weil ich bei diesen Temperaturen zeltete, ein dritter schien einigen Alkohol im Blut zu haben und erzählte so wirres Zeug, dass ich keine Ahnung hatte, was er mir zu sagen versuchte. Nachts war es dann etwa 0°C und somit auch mit meinem wirklich guten Schlafsack etwas unangenehm. Aber noch ging es und die Kälte brachte mich kaum um den Schlaf.

Am morgen des 3. Tages wartete ich nach einem ausgiebigen Frühstück mein Fahrrad und kam gegen 11Uhr los. Leider war ich schon längst aus Hanau raus, als mir auffiel, dass ich noch den Toilettenschlüssel vom Campingplatz bei mir hatte. Also fuhr ich wieder alles zurück und verlor insgesamt fast 1 Stunde Zeit. Heute drängte die Zeit wirklich etwas, denn die Strecke war um die 100km lang und es standen mehr als 500 Höhenmeter an. Bei meinem Schnupfen und dem recht starken Gegenwind wollte ich auch nicht zu schnell fahren, um mich nicht zu übernehmen. Also folgte ich in angenehmem Tempo den kompletten Tag dem von Dieter empfohlenen Hessischen R3-Radweg. Dieser war überraschenderweise besonders gut ausgebaut und beschildert. Lediglich die letzten 10km vor Fulda liesen zu wünschen übrig. Dort ging es viel bergauf und bergab und das bei wirklich schlechter Wegbeschaffenheit. Die ersten 70km an diesem Tag waren aber ohne nennenswerte Steigung. Die letzten 30km wurde ich dann jedoch gut gefordert mit einer Steigung nach der anderen. In Fulda angekommen und rund 2km vor dem Ziel ist mir dann, soweit ich mich erinnern kann, zum ersten Mal jemals die Kette vom Fahrrad gerutscht. Bis dahin habe ich mich selbst immer gefragt, wie die Leute das schaffen 😀

In der Dämmerung kam ich dann bei Kim an. Ein paar andere Leute waren auch noch da, die mit uns auf Kneipentour gehen wollten. Also aß ich schnell was, sprang in die Dusche und wir gingen los. Aus dem Plan Kneipentour wurde dann allerdings nur noch der Besuch von einer Bar, weil wir alle ziemlich müde waren. Trotzdem gefiel mir der Abend ganz gut.

Am 4. Tag gab es ein gutes Frühstück und anschließend gab mir Kim eine Stadtführung mit dem Rad. Spektakulär ist Fulda jetzt nicht, doch wenn man schon mal da ist, sollte man sich die Stadt schon ansehen. Dom, Schloss und Schlossgarten sind auf jedenfall sehenswert. Danach habe ich mich bei Kim für ihre Gastfreundschaft bedankt und bin gegen 13Uhr dann auch weitergefahren. Nun ging es den gut ausgebauten und beschilderten Fuldaradweg (R1) in Richtung Norden entlang und die ersten 30km gefielen mir landschaftlich am besten bisher. Es war eine recht verlassene Region mit vielen Wiesen, Wäldern und der noch sehr schmalen Fulda. Danach wurde es landschaftlich eher langweilig. Und auch das Tal zwischen den kleinen Bergen weitete sich mehr und mehr und somit konnte auch zunehmend mehr Wind aufkommen. Gegenwind war in meinen ersten 4 Tagen fast permanent gegeben. Am 4. Tag war er aber am schlimmsten. Dafür gab es an allen Tagen, mit Ausnahme des ersten, einen fast permanent strahlenden, blauen Himmel.

Insgesamt habe ich in diesen 4 Tagen fast 300km zurückgelegt. Nun bin ich auf einem schönen Campingplatz in Rotenburg an der Fulda. Mein Zeltnachbar ist auch mit dem Rad unterwegs. Der erste, der mir mit Rad und Zelt, bei diesen noch recht frischen Temperaturen, begegnet ist. Er fährt die Fulda anders herum und so konnten wir uns über den weiteren Streckenverlauf austauschen.

Die Bilder zu diesem Beitrag und den folgenden werde ich aus diversen Gründen erst in Hamburg in einer Bildergalerie hochladen.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Klingt nach einem guten Anfang!

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und Gute Erlebnisse, Jonas!

  2. Klingt sehr gut! Viel Erfolg weiterhin!

  3. Nun hast du ja auch die ersten Schwierigkeiten mit Bravour gemeistert. Weiter so…Die Berichte werden mich sehr erheitern…Das weiß ich jetzt schon!

  4. Das hört sich ja schon mal gut an!
    Viel Spaß in Hamburg! Sherwan ist mit dem IB die nächste Woche in Hamburg, vielleicht siehst du Sie ja🤗weiterhin gute Fahrt!

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