- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Auf dem Mainradweg (1. Vorbereitungstour)

Du planst selbst eine Radreise, oder möchtest wissen wie ich an die Planung ran gegangen bin? Dann bist du hier genau richtig!

Zunächst einmal muss ich natürlich sagen, dass es völlig verschiedene Herangehensweisen gibt, die sicherlich auch unterschiedlich sinnvoll sind. Ob meine eigene sinnvoll war, das wage ich jetzt einfach mal nicht zu bewerten. 😀

Phase 1: Der Entscheidungsprozess (Herbst 2016-Sommer 2017)

Nachdem ich bereits einige kürzere Touren mit dem Fahrrad gemacht habe [Ich berichtete] kam im Herbst 2016 erstmals die Idee von einer Europareise mit dem Fahrrad auf. Damals war ich 18 Jahre alt. Ich behielt die Idee zunächst einmal im Hinterkopf, dachte aber immer wieder darüber nach und über einen schleichenden Prozess schien ich mich so gegen Anfang 2017 dazu entschieden zu haben. Im Juni 2017 habe ich mein Abitur beendet und spätestens nach der darauffolgenden Sommertour 2017 nach Wien konnte man sagen, dass man mir dieses Vorhaben nicht mehr ausreden konnte.

Phase 2: Die grobe Routenplanung (Herbst 2017)

Im Herbst 2017 habe ich mich dann an die grobe Routenplanung gemacht und mich über die einzelnen Länder und Distanzen informiert. Wichtige Tipps habe ich mir notiert und die Route an manchen Stellen schon sehr konkret geplant.

Phase 3: Überblick über das komplette Thema verschafft (Winter 2017/2018)

In dieser Phase habe ich einige Reiseblogs konsumiert, zahlreiche Youtube-Videos geschaut und Bücher wie “Pedal the World” oder “Sieh diese Erde leuchten” zum Thema gelesen.

Phase 4: Erste Ausrüstungsbeschaffungen (Frühling 2018)

Sehr ernst bin ich an das Thema Ausrüstung herangegangen und habe zahlreiche Ausrüstungsteile stundenlang miteinander verglichen. Ich habe mir zunächst auch mal hier einen genauen Überblick darüber verschafft, was andere so mitnehmen. Dann habe ich z.B. einige Tage alleine damit verbracht Zelte und Schlafsäcke zu vergleichen. So auch zumindest mehrere Stunden mit vielen anderen Ausrüstungsteilen. Insgesamt habe ich die mit Abstand meiste Zeit meines gesamten Planungsprozesses für den Prozess der Ausrüstungsbeschaffung investiert. 200 oder 300 Stunden hat das sicherlich in Anspruch genommen. Ich habe das Anfangs völlig unterschätzt.

Phase 5: Radtour nach Magdeburg (1 Woche, Frühling 2018) + Radtour Merzig – Bonn (3,5 Tage, Sommer 2018)

Meine beiden Vorbereitungstouren alleine und mit Zelt. Haben mir viel Spaß gemacht und lust auf mehr gemacht. Hier kannst Du mehr über diese beiden Touren lesen: Klick!

Phase 6: Genaue Routenplanung (Sommer 2018)

Nach der groben Routenplanung im Herbst 2017 habe ich nun die Planung finalisiert. Hierbei war es mir wichtig diese relativ genau zu machen. Ich setze mir bei meiner Reise generell keine Zeitlimits, die mir vorschreiben, wann ich wo gerne sein möchte. Auch möchte ich mir eine gewisse Flexibilität vorbehalten, die es mir ermöglicht mal um einen schönen See zu fahren, oder einen Abstecher zu einer schönen Burg oder einem Freizeitpark zu machen. Jedoch steht das Grundgerüst meiner Route und das ermöglicht mir einen schönen Radweg auch zu wählen, weil ich weiß, dass er exisitiert und wo er mich hinführen wird. Außerdem ist es ja auch viel entspannter nach Radschildern als nach Navi zu fahren. Das Abenteuer geht mir dadurch ja nicht verloren. Wenn ich nach dem halben Jahr weiter fahren sollte, dann werde ich aber keine Route mehr so genau planen, weil das doch recht viel Zeit gekostet hat.

Phase 7: Geld für die Reise erarbeitet (August-Dezember 2018/März 2019)

Von September 2017 bis September 2018 habe ich ein FSJ in einem Kinder-und Jugendzentrum gemacht. Den größten Teil meines doch recht bescheidenen Verdienstes in diesem Jahr habe ich in meine Ausrüstung investiert. Im August habe ich dann zusätzlich noch in einem Café gearbeitet und von September bis Dezember 2018 war ich angestellt im Service eines Selbstbedienungsrestaurants. Seit September 2018 bis zum Reisebeginn arbeite ich in einem Kino auf 450€-Basis. Parallel dazu kam noch etwas Geld durch Nachhilfeunterricht zusammen, welchen ich an 3 Schüler gegeben habe.

Phase 8: Zweite Ausrüstungsbeschaffungsphase (November 2018 – April 2019/Start)

Meine Ausrüstung ist noch längst nicht komplett und so kommen über Monate immer wieder neue Pakete hier zu Hause an. Meine Eltern des öfteren: “Was? Da ist schon wieder ein Paket für dich, Jonas! Was ist denn das schon wieder?” Was letzten Endes an Ausrüstung zusammen gekommen ist, kannst du in diesem Beitrag genau nachlesen.

Phase 9: Alles gemischt (Dezember 2018 – Januar 2019)

Ich habe wieder einige Youtubevideos und Reiseblogs angeschaut, mich zu Themen wie Fahrradsicherheit, Navigation oder Reisekrankenversicherung informiert. Auch habe ich mich dazu entschieden von der Sparkasse zur comdirekt-Bank zu wechseln, u.a. weil eine Kreditkarte in Ländern mit Fremdwährung sinnvoll ist. Auch habe ich natürlich meine ganze gekaufte Ausrüstung einmal ausprobiert und mich einige Tage nur mit der Fahrradtechnik befasst und auch noch die entsprechenden Werkzeuge für die Tour bestellt. Ebenfalls habe ich mich mit den Themen Ernährung und Hygiene auf Tour beschäftigt, sowie einen Reisepass beantragt.

Phase 10: Social Media (März 2019)

Nachdem ich mich im vergangenen Sommer bereits mit dem Thema Blog auseinander gesetzt habe und schon den Blog erstellt habe und ein komplettes Design geglaubt habe fertig zu haben, habe ich alles verworfen und nun Anfang März innerhalb weniger Tage ein komplett neues Design auf die Beine gestellt. Ich war einfach überhaupt nicht zufrieden mit dem vorherigen. Anschließend wurde der Blog mit den ersten Inhalten gefüllt, sich um Facebook und Instagram gekümmert und ein Youtube-Channel zumindest schon einmal erstellt, auch wenn dort vorerst nicht viel passieren soll.

Phase 11: Finalisierung und Abschied nehmen (Ende März – Anfang April 2019)

Seit April 2019 bin ich frei von Verpflichtungen. Meinen Minijob habe ich gekündigt, meine letzten Nachhilfestunden habe ich gegeben und auch meine Band “Hot x perience” habe ich verabschiedet. In den ersten beiden Aprilwochen habe ich mich nun noch einmal mit einigen Freunden zum letzten Mal getroffen, einen letzten Arzttermin vereinbart und mich in erster Linie um die Vervollständigung meiner Ausrüstung gekümmert. Mit manchen Gegenständen musste ich mich noch einmal auseinander setzen, manche wenige habe ich wieder von meiner Packliste gestrichen (Rahmentasche, aufblasbares Kopfkissen, dünne Radhandschuhe, Gummihammer, Notebook usw.) und ein paar wenige habe ich mir noch gekauft bzw. ergänzt. Seit Ende März habe ich auch endlich wieder mein von Jimmy auf Vordermann gebrachtes Fahrrad bei mir und habe von da ab auch gleich wieder alle meine Alltagsstrecken mit dem Rad zurückgelgt.

Kurz vor Reisestart habe ich noch meinen LowRider-Gepäckträger montiert und meine ebenfalls brandneuen Vorder-und Hinterradtaschen, genauso wie das ebenfalls neue Bügelschloss, am Fahrrad angebracht. Stundenlang war ich dann damit beschäftigt mir das “perfekte” Packsystem auszudenken und als ich dann endlich mit diesem zufrieden war ging es auf die erste kleine Probetour. Diese stellte mich zufrieden: Alles blieb auf dem Fahrrad! 🙂 Ein wenig Kopfschmerzen bereitete mir jedoch der hintere Gepäckträger. Dieser ist nämlich für maximal 25kg zugelassen und mit Proviant werde ich auf der Reise immer so zwischen 22 und 27kg schwanken. Hoffentlich kommt es nicht zur Materialermüdung. 4 Tage vor Reisestart habe ich noch darüber nachgedacht mir einen neuen Gepäckträger zu bestellen und später zu starten. Der Fachhändler gab mir aber grünes Licht und meinte: “Wenn Sie nicht permanent mehrere Kilogramm drüber sind dann wird schon alles gut gehen.” Er habe noch nie von einem Gepäckträgerbruch gehört 😀

Ebenfalls habe ich eine Mappe für die Reise erstellt. Da ich nicht nur auf digital setzen möchte um unabhängiger zu sein, habe ich nun in einer meiner großen Taschen einen recht dicken Schnellhefter mit allen möglichen Infos zur Route, Ausrüstungshandhabung, Reperatur und sonstigen Tipps. Seit Beginn meiner Recherche habe ich an diesem gearbeitet.

Kurz vor Tourstart hatte ich dann auch alle Basisseiten auf diesem Blog fertig gestellt, Social Media endgültig eingerichtet und noch etwas Werbung für mein Vorhaben gemacht. Danach hieß es: Abschied nehmen und ab mit mir und meinem Fahrrad auf die Strecke!

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