- Wenn nicht jetzt, wann dann?

Saarschleife bei Merzig (Tourbeginn)

Juli 2018: Es ist heiß. Es ist grandioses Wetter und ich habe endlich mal wieder ein paar Tage Urlaub vor mir. Nur zu blöd, dass ich ausgerechnet in dieser Urlaubszeit auf ein FSJ-Seminar in Bonn eingeladen wurde. Aber macht nichts! Da kann man doch problemlos mit dem Fahrrad hinfahren und sich noch ein bisschen auf die anstehende Reise vorbereiten.

Mit diesen Gedanken packte ich schnell einige Dinge in meine Hinterradtaschen und nahm dann anschließend den Zug nach Merzig (Saarland). Vom Moselradweg, welcher den größten Teil der Strecke Merzig – Bonn ausmachen würde, habe ich zuvor schon viel schönes gehört und da ich bereits 2015 den Rheinradweg bis nach Bonn gefahren bin, wollte ich diesen nicht schon wieder fahren.

Gegen 15Uhr in Merzig angekommen ging es von dort aus dann auch gleich auf den Saarradweg. Schon nach wenigen Kilometern kam ich an die wohl bekannteste Stelle des gesamten Flussradweges: die Saarschleife mit dem Aussichtsturm, auf dem sich zahlreiche Menschen tummelten (siehe Titelbild). Danach ging es überwiegend asphaltiert und gut beschildert bis nach Saarburg, wo ich meine erste richtige Pause machte. Die kleine Stadt ist wunderschön, aber auch sehr touristisch überlaufen. Bereits im März diesen Jahres bin ich mit einer Jugendgruppe vom Kinder-und Jugendzentrum Böhl-Iggelheim als FSJ-ler hier gewesen. Wirklich sehr zu empfehlen!

Nach dem Verzehr eines Pides zu Nachmittag machte ich mich schließlich wieder auf den Weg und fuhr den Saarradweg weiter in Richtung Norden, nur dieses Mal auf der linken Seite des Flusses. Dort war der Radweg ebenfalls sehr gut ausgebaut und beschildert. In Konz (dort mündet die Saar in die Mosel) endete meine erste Etappe und ich schlug mein Zelt auf dem Campingplatz “Konz Saarmündung” auf. Der Campingplatz war schön und meine Zeltnachbarn waren ein anderer Radreisender, der von Münster in Richtung Spanien unterwegs gewesen ist, sowie ein Niederländer, der bereits seit 3 Wochen mit seinem Longboard durch Deutschland gefahren ist. Nach einer schönen Unterhaltung an diesem Abend verzog ich mich dann irgendwann schließlich in mein Zelt und wachte gut erholt und voller Vorfreude auf den anstehenden Tag wieder auf. Zuerst ging es einkaufen und danach gab es ein ordentliches, ausgewogenes Frühstück. Kurz darauf hatten die beiden anderen bereits zusammengepackt, verabschiedeten sich und gingen vor mir wieder auf die Strecke. Etwas später war dann auch ich bereit und folgte nun dem Moselradweg in Richtung Norden. Ich passierte die schöne Stadt Trier, die ich aber bereits schon kannte und mir nicht weiter anschauen wollte, und folgte dem Moselradweg in eine immer abgelegenere Region. Der Radweg an sich war jederzeit gut befahren. Insbesondere Rentner-Ehepaare durfte man permanent auf diesem begrüßen. Das verwunderte aber auch nicht wirklich, denn auf der gesamten Strecke bis Koblenz gab es keine wirklich nennenswerten Steigungen. Es war überwiegend komplett eben. Außerdem war die Strecke extrem gut beschildert. Ich habe mich kein einziges Mal verfahren! Landschaftlich (mit viel Wald, Sandstein und Bergen permanent auf beiden Flussseiten) ist der Moselradweg absolut zu empfehlen. Ebenfalls sehr schön anzusehen waren die ganzen Dörfer und kleinen Städte entlang der Strecke. Besonders erwähnenswert ist da sicherlich die Kleinstadt Bernkastel-Kues (siehe Bilder), aber auch Cochem.

Letzten Endes konnte ich mir aber nicht so viel Zeit nehmen und musste doch recht schnell den Moselradweg entlang fahren, um auch rechtzeitig beim Seminar in Bonn ankommen zu können. Somit brachte ich am 1. Moseltag, wo ich von Konz bis nach Zell gefahren bin gute 110km auf den Tacho. Am 2. Moseltag kam ich sogar weiter als Koblenz, wo die Mosel in den Rhein mündete. Die Stadt Koblenz kannte ich ebenfalls schon und so konnte ich sogar noch gute 35km weiter kommen und den Campingplatz “Camping Rheineck” in Bad Breisig erreichen. Trotz den gut 120km an diesem Tag hatte ich aber noch Zeit für eine sehr lange Entspannungspause in Cochem, wo ich am Moselufer gut dösen konnte. Eine zweite, längere Pause machte ich mit einem niederländischen Ehepaar zusammen, die mich auf Suppe und Tee einluden 🙂 Am Rheinradweg lernte ich einen sehr freundlichen Rennradfahrer kennen, mit dem ich mich bestimmt eine halbe Stunde bei sehr gemäßigtem Tempo unterhalten habe. Dann war ich irgendwann in Bad Breisig angekommen, verabschiedete mich von dem Radfahrer und schlug mein Zelt auf. Darauf erneut eine gute Suppe, sowie ein Weizenbier und der Tag war perfekt! Der Zeltplatz war sehr schön und dieses Mal waren auch einige andere Reiseradler anzutreffen. Der Rheinradweg ist generell bei Reiseradlern sehr bekannt, ist allerdings oft nicht so gut beschaffen wie der Moselradweg. Die Beschilderung ist hier aber ebenfalls sehr gut.

Am nächsten Tag startete ich dann ganz entspannt in den Tag, ging einkaufen und lies mir Zeit mit dem Frühstück. Ich habe die vergangenen zwei Tage so viele Kilometer zurückgelgt, dass ich nun einen ganzen Tag für eine Strecke von nur 35km zur Verfügung hatte. Trotzdessen bin ich dann bis Bonn Venusberg durchgefahren und war rund 5 Stunden vor Seminarbeginn bereits an der Jugendherberge 😀

Insgesamt haben mir die zusammengerechnet 3 Tage viel Freude bereitet und waren eine sinnvolle Tour um sich weiter auf die Europareise vorzubereiten. Die Strecke war fast permanent landschaftlich sehr sehenswert. Der Moselradweg wurde mit dieser Tour nun zu meinem Lieblingsflussradweg. Da können für mich die Teile von den anderen Flussradwegen, die ich schon gefahren bin (Rhein, Neckar, Donau, Main, Saale, Elbe und Saar), nicht mithalten. Freude haben mir auch die kurzen Bekanntschaften bereitet, sowie das grandiose Wetter. Ich liebe es bei über 30°C zu strampeln – auch über 100km am Tag erwiesen sich als unproblematisch. Glücklicherweise war es sehr eben 😉

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